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Nachhaltigkeit beim HausbauDas Schlagwort "nachhaltiges Bauen" ist seit geraumer Zeit in aller Munde. Der Begriff der Nachhaltigkeit wurde im frühen 18. Jahrhundert in der deutschen Forstwirtschaft geprägt. Angesichts eines damaligen großflächigen Holzmangels sollten die Forsten künftig so betrieben werden, dass sie in der Lage waren, sich selbst zu regenerieren und in ihren Grundzügen erhalten zu bleiben.

Was versteht man unter "nachhaltig bauen"?

Der immer deutlicher verlaufende Klimawandel und das absehbare Versiegen von fossilen Energiequellen haben sowohl beim Bund, den Ländern und den Bürgern zu einem Umdenken geführt. Mit nachhaltigem Bauen sollen Energien und Ressourcen aller Art so weit wie möglich geschont werden. Dabei spielen auch die Lebenszyklusphasen eines Gebäudes eine Rolle: Sie sollen genau wie sämtliche Einflussfaktoren ebenfalls optimiert werden. Folgerichtig beginnt die Beachtung dieses Prinzips bereits mit der Rohstoffgewinnung und endet erst mit dem Rückbau des Gebäudes.
Üblicherweise wird dabei von einer durchschnittlichen Gebäude-Nutzungsdauer von 50 bis 100 Jahren ausgegangen.

Das nachhaltige Bauen verfolgt in der Praxis sowohl die Senkung des Energiebedarfs und der Betriebsmittel als auch der Transportkosten, die durch die Beförderung von Baumaterialien entstehen. Darüber hinaus soll so weit wie möglich die Natur geschont und ein flächenarmes Bauen angestrebt werden. In der letzten Lebenszyklusphase spielen dann sowohl Überlegungen zur Nachnutzung des Gebäudes als auch das gefahrlose Recycling der Baumaterialien eine große Rolle.

Wie wird "nachhaltig bauen" bewertet?

Die Nachhaltigkeit eines Gebäudes wird nach drei Kategorien beurteilt:

  1. Ökonomisch
    In die ökonomische Bewertung fließen die Anschaffungs-, Errichtungs- und Baufolgekosten ein. Letztere sind häufig der Schwachpunkt eines Gebäudes, weil zu ihnen neben den reinen Nutzungskosten auch die Kosten für Wartung, Instandhaltung und Rückbau gehören.
  2. Ökologisch
    Die ökologische Beurteilung betrachtet die Ressourcenschonung sowie den optimierten Einsatz von Baumaterialien, Energieträgern und Wasser sowie um die Verringerung der Umweltbelastung.
  3. Soziokulturell
    Für eine sozio-kulturelle Einschätzung werden die Aspekte Gesundheit, Behaglichkeit (thermisch/akustisch/hygienisch), Ästhetik und Barrierefreiheit herangezogen.

Diese Bewertungen lassen sich überwiegend messen. Dazu wird zur Ermittlung der sog. Energiekennzahl der Jahresheizwärmebedarf (in kWh, bezogen auf die Grundfläche) herangezogen und außerdem eine Ökobilanzierung der Baumaterialien erarbeitet.

Förderung

Durch die Maßnahmen rund um das ökologische Bauen ist mit etwa 10 Prozent Mehrkosten zu rechnen. Bauherren können entsprechende Zuschüsse auf kommunaler und Länderebene beanspruchen. Bei den meisten Förderprogrammen müssen Nachhaltigkeitsbedingungen erfüllt werden, wobei sich der Kriterienkatalog an der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) orientiert, wie dies beispielsweise beim Gebäudeenergiegesetz der Fall ist.

Im Jahr 2021 wurde das Bundesförderungsgesetz für effiziente Gebäude (BEG) in Kraft gesetzt. Mit Blick auf die Zukunft wird das Bauen unter ökonomischen, ökologischen und soziologischen Aspekten immer wichtiger. Für die Umsetzung dieser Nachhaltigkeitsziele beim Sanieren, Renovieren, Bauen, Planen und Betreiben von Gebäuden bedarf es unterschiedlicher Schutzziele, die mit KfW- und BAFA Förderungen verfolgt werden sollen.

Gegenüberstellung der kreislauffähigen und der konventionellen Bauweise

Im Baubereich wird von kreislauffähigen Ressourcen im Zusammenhang mit der Nutzung von Baustoffen und Energie gesprochen. Lebenszyklen von Gebäuden beginnen und enden in der Natur. Gleichzeitig trägt der Bausektor erheblich zum Baustoff- und Energieverbrauch bei.

Diese Gegensätze nachhaltig zu vereinbaren und den Baustoffkreislauf wieder in die Natur zu integrieren, braucht tragfähige Lösungen. Ein zunehmend dynamischer Faktor, der immer mehr auf die Unabhängigkeit von fossilen Rohstoffen drängt. Eine komplexe Trendwende der „Grünen Baurevolution“ ist angesichts der großen Herausforderungen von Versorgungssicherheit, Klimawandel und Ressourceneffizienz ein entscheidender Zukunftsfaktor. Aus kreislaufförmigen Bauweisen entwickeln sich wirtschaftliche und technologische Perspektiven. Heizungstechniken werden energieeffizient, Bauen mit thermischen Sanierungsstoffen zur Regel. Ein Beweis mehr, dass der verantwortungsvolle Umgang mit Ressourcen wie Holz und hohe gestalterische Anforderungen kein Widerspruch sein müssen.

Die Bewertung mehrerer Qualitätskriterien erfolgt entlang des Gebäudelebenszyklus. Nachweise zur Luftdichtheit in Form des Blower-Door-Tests oder die verpflichtende Messung von Schall sowie die Innenraumluftqualität ergänzen die Bewertungstiefe kreislaufförmiger Bauweisen.

Konventionelle Bauweise besser und günstiger?

Gebäude brauchen Raum und Zeit in der Planung. Beides steht in enger Wechselwirkung zueinander. Um Belastungen bei Bestandsbauten durch Lärm, Abgase, Vibrationen oder Staub zu verringern, muss die konventionelle Bauweise modernen technischen Standards nachkommen. Dies trifft insbesondere auf komplexe Projekte zu, lässt sich aber einfach auf den privaten Hausbau umlegen. Computergesteuerte Lasereinsätze für diverse Zuschnitte reduzieren die Abfallmengen bereits signifikant. Herkömmliche Baumaterialien unterliegen bislang keinem Lebenszyklus, Rückbau und Entsorgung werden entsprechend bewertet. In einer weitgehend additiven, sprich modularen Bauweise können Bauteile umweltschonend recycelt werden. Wiederverwendung ist in diesem Fall auch nach einer Runderneuerung möglich. Die konventionelle Bauweise wird auf Zeit ökologischen und ressourcenschonenden Baukonzepten wie Passivhäusern oder Nullenergiehäusern weichen.

Bauplanung unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit

Bauthemen, die sich im Fokus einer ökologischen Umsetzung bewegen, stehen seit Längerem hoch im Kurs. Die meisten verbindet der Begriff, inhaltlich ergeben sich jedoch große Unterschiede. Nachhaltigkeit definiert sich über die Bedürfnisse gegenwärtiger Generationen, die ihre eigenen Wünsche einschränken, um zukünftigen Generationen dasselbe Ausmaß an Ressourcen zur Verfügung stellen zu können. In der Bauwirtschaft treffen Ökologie, Ökonomie und soziale Werte aufeinander. Diese drei Komponenten sind sehr eng miteinander verwoben und basieren auf einer stark ausgeprägten Wechselwirkung. Soziale Strukturen, die Bedürfnisse der Menschen sowie Konsum- und Arbeitsgewohnheiten übernehmen das größte Handlungsfeld im Sinne nachhaltiger Bauplanung. Der Lebenszyklus von Gebäuden beginnt mit der Planung, setzt sich in der Realisierung fort und verharrt lange Zeit in der Nutzungsphase. Erst viele Jahrzehnte danach wird durch einen fachgerechten Rückbau der Gesamtzyklus beendet.

Im Rahmen ganzheitlicher Planung werden bestimmte Planungsbestandteile in Bezug auf Ihre Wechselwirkung miteinander verknüpft oder ergänzt. Diese quantifizierbare Bewertungsmethode lässt einen Variantenvergleich von Gebäuden zu. Das wohl bekannteste Bewertungssystem ist das Deutsche Gütesiegel für Nachhaltiges Bauen (DGNB).

Die Ziele für nachhaltige Planung sind klar:

  • Schutz des Ökosystems und der natürlichen Ressourcen
  • Verbesserung der Wirtschaftlichkeit zum Werterhalt
  • Minimierung der Lebenszykluskosten
  • Bewahrung von Behaglichkeit, Sicherheit und Gesundheit
  • Sicherung gestalterischer Qualität
  • Gewährung von moderner Funktionalität

Baustoffauswahl

Eine fundierte Auswahl nachhaltiger Baustoffe reduziert sich auf die Kernaufgabe ihrer gewünschten Funktionen. Im Rahmen der Lebenszyklusanalyse ist die bevorzugte Nutzungsdauer von Bauteilen ein wesentlicher Entscheidungsfaktor. Die Auswirkung auf den Nutzungskomfort, Lebenszykluskosten sowie ein möglichst geringer Energieverbrauch und CO2-Ausstoß in der Herstellung und im Betrieb sind maßgeblich. Wer umweltschonend baut, verwendet Baustoffe, die recycelbar und schadstofffrei sind sowie in ökologischer Qualität zur Verfügung stehen:

  • Holzprodukte
  • natürliche Dämmstoffe (Hanf, Kokosfaser, Holzwolle, Jute, Kies, Zellulose)
  • mineralische Baustoffe
  • energieeffiziente Gebäudetechnik
  • innovative Heiztechnik
  • Metalle
  • biologisch zertifizierte Anstriche und Dichtmassen

Die richtigen ökologischen Baumaterialien übernehmen eine wichtige Rolle für die Halbwertszeit von Gebäuden. Nachhaltig zu bauen, beginnt bereits bei der Berücksichtigung von „Grauer Energie“, nämlich jener Energiemenge, die zur Herstellung von Produkten nötig ist. Die meisten Häuser verbrauchen schon beim Bau selbst große Summen an Energie, die sich negativ auf die Umweltbilanz auswirken. In der nachhaltigen Gebäudekonstruktion übernimmt diese „eingebaute“ graue Energie eine wesentliche Funktion: die Abbildung tatsächlich verwendeter energetischer Aufwendungen.

Natürliche Materialien machen deutlich, welche Mengen sich genau in den Naturkreislauf zurückführen lassen. Die Behandlung von Pestiziden und Holzschutzmitteln steht der Wiederverwendbarkeit entgegen. Je regionaler Baustoffe bezogen werden, desto nachhaltiger ist ihre Ökobilanz und der CO2-Fußabdruck. Biologische Materialien aus nachwachsenden Rohstoffen wie beispielsweise Holz, Naturstein, Ton, Ziegel, Kork oder Lehm weisen das beste Nachhaltigkeitsgleichgewicht auf.

Heizungstechnik sowie Be- und Entlüftung

Das Gebäudeenergiegesetz (GEG) lässt keinen Zweifel am eigentlichen Ziel. Heizungsanlagen dürfen in Zukunft keine fossilen Brennstoffe mehr verarbeiten. Zum Wohle der Natur, zum Schutz der eigenen Gesundheit soll der CO2-Haushalt auf ein Minimum reduziert werden. Als Alternative übernehmen Erdwärme, Solarenergie, Pelletheizungen oder Holz die Aufgabe, Wohn- und Lebensräume warm zu halten. In Passiv- oder Nullenergiehäusern sorgen ausgeklügelte Be- und Entlüftungsanlagen für die nötige Wärme. Sogenannte Wärmetauscher lassen die Luft zirkulieren, während Abluft ins Freie ausgeleitet wird. Einströmende Frischluft wird erneut mit vorhandener Wärme versorgt und liefert für das gesamte Haus eine gleichmäßige Wärme.

In der Realität wird in der nachhaltigen Bauweise eine Kombination aus mehreren Varianten eingebaut. Als sinnvolle Mix gilt eine zusätzliche Wärmequelle mit Holz über eine Pelletheizung oder einen Kamin, die beide im Winter schnell für zusätzliche wohlige Wärme sorgen.

 

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