FernwärmeEin Fernwärmeanschluss ist für einen Nutzer eine praktische Sache: Es wird weder eine Heizungsanlage noch ein Schornstein benötigt, man muss sich über seinen Brennstoff keine Gedanken machen, und auch die regelmäßige Kesselwartung entfällt. Das Fernwärme-Kraftwerk erzeugt heißes Wasser, das über gedämmte Rohre bei den Kunden für Heizwärme und Warmwasser sorgt. Die Anbieter werben damit, dass jeder Fernwärmeabnehmer zu einer höheren Energieeffizienz und zum Klimaschutz beiträgt. Durch den Einsatz der Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) sollen insgesamt so große CO2-Mengen eingespart werden, wie eine Stadt von der Größe Kölns ausstößt.

Die Energieversorger machen mit Fernwärme in Deutschland ein gutes Geschäft: Allein mit der Belieferung von privaten Haushalten setzen sie nach Angaben des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW; 2012) jedes Jahr etwa 8,5 Mrd. Euro um. Das hängt auch mit der relativ guten Versorgung mit Fernwärmekraftwerken zusammen: Immerhin war 2016 ein Viertel der deutschen Städte und Gemeinden an die Fernwärmeversorgung angeschlossen. Die zwischen 1960 und 2015 installierten Kraftwerke entstanden in der Peripherie größerer Städte und hatten in erster Linie den Zweck, Strom zu produzieren. Wärme entstand quasi als Abfallprodukt. Erst seit 2015 haben Wärmenetze verstärkt die Funktion, flexible Verbundnetze für Verbraucher sowie dezentrale Wärmespeicher und –erzeuger zu sein.

Der größte Anteil der erzeugten Fernwärme, nämlich 83 % (Stand: 2016) stammt aus KWK-Anlagen, bei denen wiederum zu 83 % fossile Energieträger (überwiegend Kohle) eingesetzt werden. In KWK-Anlagen betrug der Anteil von Biomasse nur 5 %. Der ökologische Nutzen von Fernwärme darf also grundsätzlich bezweifelt werden.

Das haben Verbraucher von Fernwärme

Kunden, die Fernwärme beziehen, haben zwar den Vorteil, dass für sie weder hohe Investitions- noch Wartungskosten anfallen, sie begeben sich aber in eine Abhängigkeit zum Lieferanten. Sobald es zum Vertragsabschluss zwischen dem Energieversorger und dem Kunden gekommen ist, besteht ein Monopolverhältnis zulasten des Verbrauchers, das sich kaum noch umkehren lässt; in manchen Fällen gibt es sogar einen Anschlusszwang. Schon 2016 bemängelte der Bundesverband der Verbraucherzentralen die überdurchschnittlich lange Vertragsdauer: Die Laufzeiten liegen hier üblicherweise bei zehn Jahren, Verlängerungen sind über fünf Jahre möglich. Die Verbraucher können unter dieser Voraussetzung nicht flexibel auf Marktveränderungen reagieren.  

Der Versorger nimmt seinen Kunden alle Entscheidungsmöglichkeiten: über die Wahl des Energieträgers ebenso wie über einen Preisvergleich mit anderen Fernwärmelieferanten. Diese Wettbewerbsproblematik hat 2012 bereits das Bundeskartellamt bemängelt, das Preisunterschiede zwischen den einzelnen Anbietern von bis zu 100 % feststellte. Dort, wo es für die Kunden eine durch die Kommunen vorgeschriebene Anschlussverpflichtung gab, waren die Preise am höchsten. Auch die Zahlenreihen des Statistischen Bundesamtes bestätigen dies: Aus den Erhebungen geht hervor, dass Fernwärme bis heute immer teurer war als andere Energieträger (Quelle: Daten zur Energiepreisentwicklung – Lange Reihen von Januar 2000 bis Februar 2018, 27. März 2018).

Ein weiteres Problem der Fernwärme sind die thermischen Verluste während des Transports. Sie hängen im Wesentlichen von der Leitungslänge, der benötigten Temperatur, der Rohrleitungsdämmung, der Betriebsdauer pro Jahr, dem Alter des Fernwärmenetzes und der Struktur der Kunden ab. Der AGFW, ein Lobbyverband von über 500 Betreibern von Heizkraftwerken und Fernwärmenetzen, hat hierzu 2015 Zahlen veröffentlicht: Danach betrug der absolute Netzverlust im Jahr 2014 fast 35.500 Terajoule (TJ). Das sind umgerechnet ca. 9.861.111,1 Megawattstunden (MWh). Das entsprach einem bundesweit durchschnittlichen Wärmeverlust von 13 %. Dieser prozentuale Wert hat sich seit 1999 praktisch nicht verändert und schwankte bis 2014 zwischen 11 und 14 %. Eine 2016 veröffentlichte Studie, die von Wissenschaftlern der TU Darmstadt und des Instituts für Technische Gebäudeausrüstung Dresden erstellt worden ist, bestätigt die Vermutung, dass diese Netzverluste einen direkten Einfluss auf die Preise haben, die der Endabnehmer zu zahlen hat. Dieser hat jedoch auch hier keinen Einfluss darauf, dass der Versorger alle Maßnahmen ergreift, die für einen geringeren Preis nötig wären. Die Studie stellt anhand von Fallbeispielen außerdem fest, dass der Bezug von Fernwärme, die mit KWK-Anlagen erzeugt wird, über einen Zeitraum von 20 Jahren bei jedem betrachteten Haustyp teurer ist als eine eigene dezentrale Heizungsanlage.

Staatliche Förderung der Fernwärme

Die Förderungen des Bundes bevorzugen die Anbieter von Fernwärme. Sie profitieren sowohl von Programmen der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) als auch von Förderungen, die nach dem Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz (KWKG) über das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) oder auf der Grundlage des Anreizprogramms Energieeffizienz (APEE) gewährt werden.

Für private Haushalte wurden auf regionaler Ebene einige Programme von Energieversorgern, Kommunen oder weiteren Institutionen bereitgestellt.

 

 

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