Bauratgeber Sachsen Anhalt

In den 1950er bis 1970er Jahren waren Ölheizungen gang und gäbe: Sie kamen im Gegensatz zu Gasheizungen ohne einen Anschluss an ein öffentliches Netz aus, außerdem war Heizöl ein billiger Brennstoff. Davon, dass diese Ressource knapp werden könnte, war damals keine Rede.

Das ist heute anders: Wer sich jetzt eine Ölheizung anschafft, wird oft zu den ewig Gestrigen gezählt. Es ist jedem klar, dass die Erdölvorräte sich langsam aber sicher dem Ende zuneigen, Fracking ist für viele Menschen aus Umweltschutzgründen keine Alternative. Doch man kommt nur weiter bei der Überlegung, ob der Betrieb einer Ölheizung heute noch sinnvoll ist, nur weiter, wenn man das Thema von zwei Seiten betrachtet: Soll die Ölheizung in einem Bestandsgebäude ausgetauscht oder in einem Neubau installiert werden?

In einem Bestandsbau ist bereits eine Ölheizung – ist es sinnvoll, sie gegen eine neue auszutauschen?

Wenn ein Altbau bereits von einer Ölheizung beheizt wird und sich die Frage stellt, ob eine Modernisierung der Anlage sinnvoll sein kann, kann das in vielen Fällen mit „Ja“ beantwortet werden. Neben der Verpflichtung gem. der Energieeinsparverordnung, einen Heizkessel, der älter als 30 Jahre ist, auszutauschen, kann hier auch der Wunsch nach Energieeinsparungen eine Rolle spielen. Neue Ölheizungen sind Brennwertheizungen und haben deshalb eine sehr gute Energieausbeute. So können durch den Einbau einer modernen Ölheizung, die einen Nutzungsgrad von bis zu 90 % erreicht,  problemlos 30 % der Heizenergie und damit hohe Kosten gespart werden. Ein weiterer Vorteil, bei einem Bestandsbau auf eine Öl-Brennwertheizung zu setzen ist, dass das Heizsystem fast vollständig weiter betrieben werden kann und sich so hohe Investitionskosten vermeiden lassen. Da sich eine neue Ölheizung unter diesen Voraussetzungen schon nach wenigen Jahren amortisiert, können Hauseigentümer Zeit gewinnen und abwarten, wie sich die Innovationen bei der Heizungstechnik entwickeln. Eine Öl-Brennwertheizung kann z. B. mit einer Solarthermieanlage kombiniert werden, wodurch sich ihre Effizienz weiter erhöht. Auch ein zusätzlicher Holz-Kaminofen in Kombination mit einem größeren Pufferspeicher kann eine sinnvolle Ergänzung sein, da hiermit die Ölheizung während der Übergangszeit entlastet werden kann.
Für ein durchschnittliches Einfamilienhaus mit einer zu beheizenden Wohnfläche von 120 m2 sollte mit Gerätekosten zwischen 5.000 und 10.000 Euro gerechnet werden. Dazu gehört in jedem Fall auch die Anpassung des alten Schornsteins: In ihn wird ein säure- und feuchtigkeitsresistentes Abgasrohr mit einem geringen Querschnitt eingebaut.  Sofern eine Solaranlage hinzukommt, sollte mit zusätzlichen Kosten von etwa 5.000 bis 13.000 Euro gerechnet werden. In manchen Fällen wird auch der Einbau eines neuen Öltanks nötig, der weitere 2.000 bis 3.000 Euro kosten kann.

Der Staat fördert den Einbau von modernen Öl-Brennwertheizungen wahlweise mit einem Kredit oder einem Zuschuss:

  • Mit dem Programm 152 der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) Energieeffizient Sanieren – Kredit kann für eine Einzelmaßnahme wie einen Heizungsaustausch ein Kredit von bis zu 50.000 Euro beantragt werden. Für Kredite, die ab dem 17. April 2018 bei der KfW beantragt werden, sind keine Sondertilgungen mehr möglich. Außerdem verkürzt sich die Zeit, in der keine Bereitstellungsprovision erhoben wird, von zwölf auf sechs Monate. Aktuelle Informationen stellt die KfW unter https://www.kfw.de bereit.
  • Alternativ können private Sanierer für die Heizungsmodernisierung einen Kredit über das KfW-Programm 430 Energieeffizient Sanieren – Investitionszuschuss beantragen. Pro Wohneinheit werden hier bis zu 30.000 Euro gewährt. Die Einzelheiten dieses Programms können unter https://www.kfw.de nachgelesen werden.
  • Private Sanierer, deren Ein- oder Zweifamilienhaus in Bayern steht, können auf das 10.000-Häuser-Programm zugreifen, wenn sie ihre neue Heizung mit einer der dort aufgeführten Anlagen, die mit erneuerbaren Energien arbeiten, kombinieren. Die genauen Konditionen erfahren Interessenten unter https://www.energieatlas.bayern.de/.

Sind Ölheizungen für einen Neubau sinnvoll?

Ölheizungen sind aus Gründen des Klimaschutzes nicht unbedingt optimal: Genau wie bei Erdgas entsteht bei der Verbrennung von Erdgas CO2, jedoch eine um etwa 30 % größere Menge als bei Gasheizungen. Heute verwendetes Heizöl hat allerdings nur noch einen geringen Schwefelgehalt, sodass die Anlagen nur noch sehr wenige Schwefeldioxid-Emissionen aufweisen. Auch der Ausstoß von Staub und Kohlenmonoxid ist so gering, dass er vernachlässigt werden kann. Allerdings kann es beim Starten und Stoppen eines Heizvorgangs zu unvollständigen Verbrennungen kommen, aus denen neben Kohlenmonoxid auch unterschiedliche organische Verbindungen entstehen. Dieses Problem lässt sich jedoch durch den Einbau von sog. „Low-No¬x-Brennern“ beheben.

Neue Öl-Brennwertheizungen halten die in der Ersten Verordnung zur Durchführung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes (1. BImSchV) vorgeschriebenen Grenzwerte für den Abgasverlust und den Ausstoß von Kohlenmonoxid problemlos ein. Das spiegelt sich auch in den Intervallen wider, die eine Ölheizung durch den Schornsteinfeger überprüft werden muss: Früher wurden diese Kontrollen jährlich durchgeführt, heute findet eine Überprüfung von Anlagen, die jünger als zwölf Jahre sind, nur noch alle drei Jahre statt. Die Ölpreisentwicklung war seit 2016 sehr schwankend: Als der Ölpreis zwischenzeitlich auf unter 30 Dollar pro Barrel abgerutscht war, haben sich zahlreiche Bauherren für eine Ölheizung entschieden. Bei einem derzeitigen Erdölpreis von 64 Dollar pro Barrel (Stand: Mitte März 2018) mit einer unklaren Prognose hinsichtlich der weiteren Entwicklung dürfte dieser Trend jedoch wieder zurückgehen. Sinnvoll und zukunftsträchtig ist eine Ölheizung im Neubau jedoch nur dann, wenn sie als Hybridanlage mit Solartechnik, Kaminöfen und/oder einer Wärmepumpe betrieben wird: In dieser Konstellation muss die Ölheizung nur dann arbeiten, wenn die erneuerbaren Energien das Haus nicht ausreichend mit Heizungswärme und Warmwasser versorgen können. Dann wird so wenig Heizöl benötigt, dass ein 1.000-Liter-Tank eingesetzt werden kann, der keinen eigenen Kellerraum benötigt, sondern beispielsweise im Hauswirtschaftsraum untergebracht werden kann.

Fördermöglichkeiten

Auch für Ölheizungen in einem Neubau können staatliche Förderungen beantragt werden, wenn sie als Hybridanlagen betrieben werden:

  • Das KfW-Programm 153 Energieeffizient Bauen kann in Anspruch genommen werden, wenn das Eigenheim einen der KfW-Effizienzstandards erreicht. Für jede Wohneinheit kann ein Kredit von bis zu 100.000 Euro gewährt werden, bei sehr guten energetischen Werten ist ein Tilgungszuschuss möglich, der bis zu 15.000 Euro betragen kann. Unter https://www.kfw.de/ finden Sie die Details.
    Für Anträge, die ab dem 17. April 2018 bei der KfW-Bank eingehen, ist keine 20jährige Zinsbindung mehr möglich, außerdem verkürzt sich die provisionsfreie Bereitstellungsdauer von zwölf auf sechs Monate. Auch kostenfreie Sondertilgungen sind ab diesem Stichtag nicht mehr vorgesehen.
  • Wenn die Ölheizung zusammen mit einer Solaranlage oder einer Biomasseanlage betrieben wird, ist ein Kredit aus dem KfW-Programm 271/281 Erneuerbare Energien – Premium möglich, der auch mit einem Kredit aus dem o. g. Programm 153 kombiniert werden kann. Hier ist allerdings von Größenordnungen die Rede, an die ein Einfamilienhaus nicht heranreicht. Dieses Programm könnte z. B. für Landwirte interessant sein, die über große Dachflächen verfügen, auf denen sie Solarkollektoren installieren können. Die Einzelheiten können hier abgerufen werden: https://www.kfw.de.
  • Für Eigenheimbesitzer kommt das KfW-Programm 270 Erneuerbare Energien – Standard infrage. Zum Vorteil des günstigen Zinssatzes kommt eine bis zu 20 Jahre dauernde Zinsbindung. Die KfW-Bank erläutert dieses Programm hier: https://www.kfw.de.
  • Eine neue Heizung kann besonders effektiv betrieben werden, wenn sie optimal geplant wurde. Die KfW-Bank stellt mit ihrem Programm 431 Energieeffizient Bauen und Sanieren – Zuschuss Baubegleitung  Mittel in Höhe von bis zu 4.000 Euro pro Vorhaben zur Verfügung. Damit werden 50 % der Kosten für Planung und Baubegleitung übernommen. Der Zuschuss aus diesem Programm kann für Neubauten nur in Kombination mit dem Programm 153 (siehe oben) beantragt werden. Hier finden Interessenten nähere Erläuterungen: https://www.kfw.de/.

Darüber hinaus haben mehre Bundesländer sowie zahlreiche Landkreise und Kommunen eigene Programme aufgelegt, um energieeffiziente Maßnahmen zu fördern. Informationen gibt es bei Verbraucherzentralen oder den Kreis- und Stadtverwaltungen.

Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) fördert ebenfalls energieeffiziente Maßnahmen sowohl für Bestandsgebäude als auch für Neubauten für Solarthermie und Wärmepumpen, die sich mit einer Ölheizung kombinieren lassen.

Das sollten Bauherren und Sanierer außerdem wissen

Am 5. Januar 2018 ist das Hochwasserschutzgesetz II in Kraft getreten. Damit werden Sicherheitsvorschriften für Heizöltanks eingeführt: Alle Tanks, die sich in einem ausgewiesenen Überschwemmungsgebiet befinden, müssen innerhalb von fünf Jahren, also bis zum 5. Januar 2023, hochwassersicher nachgerüstet werden. Wo sich die Überschwemmungsgebiete befinden, geben die Länder auf ihren Websites bekannt:

Für Heizöltanks, die sich in Risikogebieten befinden, gilt eine Nachrüstungsfrist von 15 Jahren. Sofern Heizöltanks in Überschwemmungs- oder Risikogebieten erstmals aufgestellt oder ausgetauscht werden, müssen sie sofort gegen Hochwasser gesichert sein.

Alle Betreiber von Ölheizungen müssen außerdem ein ausgefülltes Merkblatt zu den Betriebs- und Verhaltensvorschriften beim Betrieb von Heizölverbraucheranlagen gut einsehbar in der Nähe des Heizöltanks aufhängen. Das schreibt die Verordnung über Anlagen zum Umgang mit wassergefährdenden Stoffen und über Fachbetriebe” (AwSV) vor. Das Merkblatt kann auf der Homepage des TÜV Süd heruntergeladen werden. Der örtliche Mineralölhändler ist beim Ausfüllen behilflich.

 

 

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