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Sicherheitsstufen und Widerstandsklassen bei Tresoren, zertifizierter Einbruch- und Feuerschutz

Tresore bieten Einbruchschutz und Feuerschutz nach VdS oder ECB-S. Beide Regelwerke basieren auf gültigen Normen, die für die jeweiligen unabhängigen Prüfinstitute einzuhalten sind. Anhand von Sicherheitsstufen sowie Brandschutzklassen lässt sich erkennen, wie lange es dauert, bis ein Tresor ohne Schlüssel und Geheimcode geöffnet werden kann und wie lange er bei einer äußeren Hitzeeinwirkung wichtige Inhalte vor Schäden schützt. Je höher die Schutzklasse eines Tresors ist, umso mehr Zeit wird benötigt, ihn durch mechanisch oder thermisch einwirkende Werkzeuge, wie beispielsweise ein Stecheisen oder ein Brennschneider, zu öffnen. Die benötigte Zeit wird in RU (resistant units) kodifiziert. Je kostbarer der Wert der sich im Safe befindlichen Wertsachen, umso höher sollte auch die Sicherheitsstufe sein. Dieser Wert bestimmt neben der Zeit, die man zum nicht befugten Öffnen braucht, auch die Summe, mit der der Inhalt des Tresors versichert werden kann.

Zertifizierter Einbruchschutz mit VdS Siegel

Die VdS Klassen sind in die Stufen 1 bis 5 unterteilt und bei der Klassifizierung für den entsprechenden Versicherungsschutz wichtig. Neben dem Einbruchschutz ist für einen Tresor der Schutz vor Feuer und Hitzeeinwirkung ein Leistungskriterium. Dieser wird durch die maximale Zeitangabe gekennzeichnet, die der Tresor großer Hitze im Brandfall widerstehen kann. Entsprechend der gewählten Klassifizierung kann der Tresor bis zu 120 Minuten seinen Inhalt unversehrt und zuverlässig vor Beschädigungen durch einen Brand bewahren.

Die Qualitätsstufen für Tresore und Wertschutzschränke nach VdS

Die VdS Schadenverhütung GmbH (Verband der Schadensversicherer Köln) stellt nach erfolgreicher Prüfung ein Zertifikat für Wertschutzschränke aus. Das blaue Siegel muss folgende Angaben enthalten:

  • Prüfzeichen
  • Widerstandsgrad
  • Anerkennungs-Nummer
  • Fabrikations-Nummer
  • Masse und Baujahr

Zertifizierter Einbruchschutz mit ECB-S Siegel am Tresor

Tresore können auch nach den Richtlinien der ECB-S (European Certification Body GmbH aus Frankfurt am Main) geprüft werden. Dabei liegen die Europäischen Normen nach EN 1143-1 zugrunde, was für Verbraucher die Einhaltung der definierten Sicherheitsklassen und dem daraus definierten Einbruchschutz garantiert.

Das ebenfalls blaue Siegel befindet sich in der Innenseite der Tresortür und enthält die folgenden Angaben in Englisch:

  • Europäische Norm, Prüf- und Zertifizierungsgrundlage
  • Fortlaufende Nummerierung durch den ECB-S (Hersteller Identifikation zur Vermeidung von Missbrauch)
  • Eindeutige Definition der Leistungsklassen

Während sich der VdS auf deutsche Prüfkriterien bezieht, arbeitet die ECB mit europäischen Prüfregeln. Beide Prüfinstitute basieren auf den derzeit gültigen Fassungen der einheitlich europäischen Normen für Tresore.

Gültige Europäische Normen für die Zertifizierung und Klassifizierung von Tresoren und Wertschutzschränken

  • EN 1143-1 für Wertschutzschränke, Wertschutzschränke für Geldautomaten, Wertschutzraumtüren und Wertschutzräume. Diese Norm ist gleichbedeutend mit den Widerstandsgraden N (0) bis N (10).
  • EN 1143-2 für Desposit-Systeme und
  • EN 14450 für Sicherheitsschränke
  • EN 1047- 1 und EN 1047-2 für Datensicherungsschränke und Disketteneinsätze

Vorsicht bei abgelaufenen Plaketten oder Siegeln

Im Handel finden sich teilweise noch gebrauchte Tresore mit veralteten Sicherheitsstufen der VDMA, die wie folgt lauten:

  1. Sicherheitsstufe A nach VDMA, abgelaufenes Normenwerk, Hersteller werden nicht mehr überprüft, Versicherungssumme privat und gewerblich bis 2.500 €, bietet nur leichten Schutz gegen mechanisch wirkendes Einbruchwerkzeug.
  2. Sicherheitsstufe B nach VDMA, nur für Tresore mit einem Mindestgewicht von 200kg, abgelaufenes Prüfwerk, Hersteller werden nicht mehr kontrolliert, bietet Schutz gegen leicht mechanisch wirkendes Einbruchwerkzeug und zusätzlich Schutz gegen leichte Brände, Versicherungssumme privat von 2.500€ bis 40.000€ und gewerblich von 2.500 € bis 10.000 €
  3. Sicherheitsstufe S1 nach der inzwischen überarbeiteten EN 14450, Zertifikat wird nicht mehr ausgestellt, Tresor bietet weitgehenden Schutz gegen mechanisch wirkende Einbruchwerkzeuge für die Tür und den Korpus, zusätzlich haben diese Tresore einen Verankerungstest bei freistehenden Schränken bestanden. Bieten Schutz gegen leichte Brände und sind nur für den privaten Gebrauch vorgesehen. Die Versicherungssumme bei privater Nutzung liegt bei 5.000 € maximal.
  4. Sicherungsstufe S2 nach EN 14450 sieht die gleichen Prüfbedingungen wie bei S1 vor, ist jedoch mit einer höheren Versicherungssumme für den privaten Gebrauch in Höhe von 20.000€ maximal ausgewiesen. Diese Tresore können zwar für den gewerblichen Nutzen verwendet werden, jedoch gibt es hierzu keine Empfehlung für die Versicherungssumme. Im Zweifelsfall genügt aber ein Anruf bei der eigenen Versicherung und du erhältst ein individuelles Angebot.

Die Widerstandsgrade bei neuen Tresoren

Das aktuelle Regelwerk verwendet nur noch den einheitlichen Begriff Widerstandsgrad und bezieht sich allein auf die Europäische Norm EN 1143-1. Es gibt insgesamt 6 Klassen, bei denen die Leistungsmerkmale des Tresors unterschiedliche Tests bestehen müssen und die Versicherungssumme für die private und gewerbliche Nutzung angepasst wurde. Sie beziehen sich allein auf den Einbruchschutz und sagen noch nichts über den Feuerschutz des Tresors aus.

Der Widerstandswert wird ausgedrückt in RU für Resistant Unit und zeigt die gemessene Durchbruchzeit an, die das Prüfinstitut errechnet hat. Die Grundlage für die Umrechnung der erzielten Zeiten in die angegebenen Werte hält das Prüfinstitut geheim, so dass es sich hierbei nicht um Minutenangaben handelt, wie man leicht vermuten könnte. Man kann aber sagen, desto höher der angegebenen Wert, umso länger würde der Durchbruch dauern.

Für alle Widerstandsgrade gilt:

Der Tresor bietet einen definierten und typgeprüften Einbruchschutz gegen Angriffe mit mechanischem und thermisch wirkendem Werkzeug. Einzig der RU ist unterschiedlich bei den Klassen definiert. Der erste Wert bezieht sich auf den Teilzugriff, der zweite Wert auf den Vollzugriff. Die Abkürzung EMA steht für elektronische Einbruchmeldeanlage und gibt an, wie sich der Versicherungswert in Kombination mit einer Einbruchmeldeanlage verändert.

  • Widerstandsgrad 0: RU von 30/30, 1 Schloss der Klasse 1
  • Widerstandsgrad 1: RU von 30/50, 1 Schloss der Klasse 1
  • Widerstandsgrad 2: RU von 50/80, 1 Schloss der Klasse 1
  • Widerstandsgrad 3: RU von 80/120, 1 Schloss der Klasse 2
  • Widerstandsgrad 4: RU von 120/80, 2 Schlösser der Klasse 2
  • Widerstandsgrad 5: RU von 180/270, 2 Schlösser der Klasse 2

Die Feuerschutzklassen bei neuen Tresoren

Tresore mit zertifiziertem Feuerschutz bieten effektiven Schutz vor Feuer, Brandrauch und Löschwasser. Die Sicherheitsstufen basieren auf den Normen der EN 1047-1 und der EN 15659. Als sogenannte Duplexschränke werden Tresore bezeichnet, die sowohl über zertifizierten Einbruchschutz als auch über zertifizierten Feuerschutz verfügen.

Die Sicherheitsstufen nach EN 1047-1 für Tresore mit Feuerschutz lauten:

  1. S 60 P für geprüften Feuerschutz der Klasse Papier. Halten einer Beflammungszeit von bis zu 60 Minuten und einer maximalen Temperaturerhöhung in Innenräumen um 170 Grad Celsius stand.
  2. S 120 P für hohe Feuersicherheit und Schutz der Klasse Papier gegen Brandrauch und Löschwasser durch spezielle Füllungen und Dichtungen. Maximale Beflammungszeit von 120 Minuten.
  3. S 60 DIS für geprüften Feuerschutz der Klasse Disketten für maximale Beflammungszeit von 60 Minuten, einer maximalen Temperaturerhöhung im Innenraum von 50 Grad Celsius und einer maximalen Luftfeuchte von 85%.
  4. S 120 DIS, geprüfter Feuerschutz für Disketten für 120 Minuten maximale Beflammungszeit, der maximalen Temperaturerhöhung im Innenraum von 50 Grad Celsius und der maximalen Luftfeuchte von 85%.

Die Sicherheitsstufen nach EN 15659 für feuergeschützte Tresore lauten:

  1. LFS 30 P für Papier, 30 Minuten leichter Schutz vor Feuer, Brandrauch und Löschwasser durch spezielle Füllungen und Dichtungen.
  2. LFS 60 P für Papier, 60 Minuten leichter Schutz vor Feuer, Brandrauch und Löschwasser durch spezielle Füllungen und Dichtungen.

 

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