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Haustüren und deren Eigenschaften

Das Design spielte bei der Wahl der Haustür schon immer eine große Rolle. Heute fällt es schwerer denn je, sich für eine bestimmte Haustür zu entscheiden, weil die Bandbreite vom klassisch-konservativen Modell bis zur extravaganten Designertür reicht. Haustüren können vom Schreiner nach Wunsch angefertigt, im Baumarkt quasi „von der Stange“ gekauft oder sogar im Versandhandel bestellt werden. Es gibt sie als Holz-, Aluminium- oder Kunststofftür, mit oder ohne Glaseinsätze oder Seitenteile, in unterschiedlichen Widerstandsklassen (DIN EN 1627) sowie verschiedenen Wärmedämmeigenschaften. Kein Wunder, wenn Kunden dieser Fülle hilflos gegenüberstehen. Wir erläutern hier die wichtigsten Kriterien, die eine Haustür erfüllen sollte.

CE-Kennzeichnung für Haustüren

Kunden sollten bei ihrer Wahl auf die CE-Kennzeichnung achten:
Seit 2009 ist sie für alle Haustüren vorgeschrieben und bescheinigt, dass diese den Mindestanforderungen hinsichtlich der Sicherheit und Qualität genügen, die im europäischen Wirtschaftsraum vorgeschrieben sind.

 

Die Qual der Wahl beim Material für die Haustür

 

Haustür aus Holz

Holz ist das traditionelle Material bei der Haustürherstellung. Es bietet im Vergleich zu Kunststoff und Aluminium neben einer sehr guten Wärmedämmung den größten Gestaltungsspielraum: Bei einer Holzhaustür lässt sich der Lichtausschnitt beliebig und individuell gestalten, auf Wunsch sind beispielsweise auch geschwungene Sprossen oder strukturierte Oberflächen erhältlich. Auch geschnitzte Muster sind bei einer Haustür aus Holz kein Problem.
Holz-Haustüren sind bei etwas Pflege sehr witterungsbeständig, es muss jedoch auf einen fehlerfreien Anstrich geachtet werden, der nach einigen Jahren erneuert werden sollte. Im Gegensatz zu früheren Holztüren, die sich bei Temperaturschwankungen verziehen konnten, sind die heutigen Modelle mit einem Stahlkern ausgestattet. Er gewährleistet, dass die Haustür auch nach vielen Jahren noch so perfekt ist wie am ersten Tag und dient auch dem Schutz vor Einbrüchen.

 

Haustür aus Kunststoff

Kunststoffhaustüren sind am preisgünstigsten und schon deswegen bei Bauherren sehr beliebt. Sie müssen kaum gewartet oder gepflegt werden und sind in unzähligen Farben und Designs erhältlich. Kunststoff-Haustüren neigen allerdings dazu, sich aufgrund von Witterungseinflüssen zu verziehen. Daher sollten nur Modelle mit einem umlaufenden Stahlkern ausgewählt werden.
Auch hinsichtlich der Wärmedämmung haben sich Haustüren aus Kunststoff weiterentwickelt: Sie sind mit Mehrkammerprofilen ausgestattet und darüber hinaus mit Glasfaserverbundwerkstoffen, Stahl oder Polyurethanschäumen stabilisiert. Wenn auch beim Türrahmen auf gute wärmedämmende Eigenschaften geachtet wird, erfüllen die heutigen Kunststofftüren die strengen Vorgaben, um auch in Passivhäusern verwendet werden zu können.
Die meisten Kunden entscheiden sich zwar für weiße Kunststoff-Haustüren, das wäre jedoch nicht nötig: Der Fachhandel und die Baumärkte bieten sie in zahlreichen Farben und Dekoren an. Auch Türen mit Sprossenornamenten werden auf Wunsch geliefert. Kombiniert mit anderen Materialien wie z. B. Aluminium oder Edelstahl muss kein Hausbesitzer auf eine individuelle Kunststoff-Haustür verzichten.

 

Haustür aus Aluminium

Aluminium-Haustüren sind sehr witterungsbeständig und robust. Sie verziehen sich so gut wie nie und müssen nicht gestrichen werden. Sie sind jedoch teurer als aus Holz oder Kunststoff gefertigte Haustüren. Durch ihre dicke Bautiefe von 80 mm (Kunststoff-Haustüren: 70 mm) werden sowohl eine sehr gute Wärmedämmung als auch ein hochwertiger Einbruchschutz gewährleistet. Die guten Dämmeigenschaften werden außerdem durch eine Isolierschicht unterstützt.
Auch Aluminium-Haustüren sind in vielen unterschiedlichen Farben und Designs auf dem Markt. Sonderwünsche wie einen verstärkten Einbruchschutz oder ungewöhnliche Ausführungen sind hier jedoch nur mit einem hohen Preisaufschlag erhältlich.
Kunden sollten darauf achten, dass sie eine Aluminium-Haustür wählen, deren Profilsystem die Wärmeschutz-Vorgaben der DIN 4108 erfüllt und über eine äußere und innere Anschlagsdichtung verfügt.

 

Haustür aus Glas

Allen Vorurteilen zum Trotz sind Haustüren aus Glas ebenso witterungsbeständig, widerstandsfähig  und wärmedämmend wie diejenigen aus anderen Materialien. Da sie jedoch von Einbrechern oft als leichtes Ziel angesehen werden, sollte für die Tür eine höhere Widerstandsklasse gewählt werden, die Angriffen erfolgreich standhält. Fachleute empfehlen hier mindestens die Klassen RC 2 oder RC 3, sodass das Aufhebeln oder Aufbrechen mit einfachen Werkzeugen über einen Zeitraum von drei bzw. fünf Minuten verhindert wird. Glas-Haustüren sollten aus einbruchhemmendem Verbund-Sicherheitsglas angefertigt werden, das mindestens der Klasse P5A der Prüfnorm EN 356 entspricht. Damit muss es dem Aufprall einer 4,11 kg schweren fallenden Kugel neunmal aus neun Metern Höhe auf immer denselben Punkt standhalten.
Haustüren aus Glas sollten auf keinen Fall durchsichtig sein, da das Gebäude zu leicht eingesehen werden kann und die Bewohner gewissermaßen „auf dem Präsentierteller“ leben. Deshalb sind raue Oberflächenstrukturen, Milchglas oder farbige Glaseinsätze eine gute Wahl.

 

Haustür aus Stahl

Trotz des hohen Preisvorteils werden Haustüren aus Stahl  relativ selten verbaut. Das hängt vermutlich mit den Erfahrungen mancher Hausbesitzer zusammen, deren Türen sich unter der sommerlichen Sonneneinstrahlung verzogen hatten. Die Türblätter von Stahl-Haustüren sind mit PU-Hartschaum vollständig ausgefüllt, sodass für eine sehr gute Wärmedämmung gesorgt ist. Die meisten Hersteller bieten ihre Modelle außerdem mit einer einbruchhemmenden Verriegelung sowie einer Sicherheitsausstattung an, die der Widerstandsklasse RC 2 entspricht. Stahl-Haustüren werden in unterschiedlichen Farben und Ausführungen angeboten.

 

Sicherheitsanforderungen für Haustüren

Die Zahl der Einbrüche nimmt stetig zu, und die Haustür gehört dabei häufig zu den Schwachpunkten, die es Kriminellen leicht machen. Deshalb sollte bei einem Türaustausch oder einem Neubau auf die Klassifizierung der Wunsch-Haustür geachtet werden. Die polizeilichen Beratungsstellen empfehlen für Wohngebäude geprüfte Haustüren, die der Widerstandsklasse RC 2 zugeordnet sind. Türen, die ohne diese Klassifizierung angeboten werden, sollten diese sicherheitsrelevanten Voraussetzungen erfüllen:

  • Türen ohne Verglasung benötigen einen Türspion.
  • Es sind mindestens vier Bändersicherungen (Hintergreifhaken) nötig.
  • Der Schutzbeschlag muss nach DIN 18257 zertifiziert und einer der Widerstandsklassen
    - ES 1 (einbruchhemmend),
    - ES 2 (stark einbruchhemmend) oder
    - ES 3 (extrem stark einbruchhemmend)
    inkl. Zylinderabdeckung zugeordnet sein.
  • Der Profilzylinder sollte eine Zertifizierung nach DIN 18252 haben und in eine der Zylinderklassen 1 oder 2 (inkl. Bohrschutz) eingestuft worden sein. Eine der Anforderungen ist beispielsweise, dass der Zylinder nur maximal 3 mm an der Oberfläche vor- oder zurückstehen darf.
  • Die Zylinderschlösser müssen  gem. DIN 18251-3 (Einsteckschlösser für Mehrfachverriegelungen) geprüft worden sein.
  • Die Haustür sollte über eine Fallensperre verfügen. Dadurch wird das Öffnen von Türen verhindert, die nur zugezogen, aber nicht verriegelt wurden.
  • Eine sichere Haustür benötigt auch eine integrierte Türspaltsperre, die den Eintritt von „ungebetenen Gästen“ verhindert.

In allen Bundesländern gibt es bei der Polizei speziell geschulte Beamte, die Bürger zum Thema Einbruchschutz beraten. Die Polizei-Beratung ist hier www.polizei-beratung.de zu erreichen.

 

Wärmedämmung von Haustüren

Die Wärmedämmung von Haustüren ist bei heutigen Neubauten kein Thema mehr: Neue Häuser müssen den Vorgaben der Energie Einspar Verordnung (EnEV) 2014 entsprechen und dürfen damit einen Wärmedurchgangskoeffizienten von 1,8 W/m2K nicht überschreiten. Mit diesen Haustüren wird – zusammen mit allen anderen energetischen Maßnahmen – im Winter die Heizwärme im Haus und im Sommer die heiße Außenluft draußen gehalten. Es ist jedoch nicht nur bei der Tür auf eine gute Dämmwirkung zu achten: Auch der Türrahmen muss entsprechend gedämmt sein, damit die volle Wirkung entfaltet werden kann.
Doch nicht nur die guten Dämmeigenschaften einer Haustür führen zum Erfolg. Sobald die Tür nicht dauerhaft luftdicht ist, ist ihre Dämmwirkung verloren. Deshalb sollten Haustüren immer an den vier Seiten des Türblatts über mindestens zwei umlaufende Dichtungen und einfach nachjustierbare Beschläge verfügen. Zugluft wird außerdem besonders effektiv durch eine sich beim Schließen absenkende Dichtung sowie eine gedämmte Türschwelle verhindert.
Bei älteren Wohngebäuden war es üblich, dass sich ein Zeitungs- oder Briefschlitz in der Haustür befand, der innen nur durch eine bewegliche Klappe abgedichtet war. Hier strömt im Winter unablässig kalte Luft in das Hausinnere. Eigenheime mit solchen Haustüren sollten auf jeden Fall mit einer neuen, modernen Haustür ausgestattet werden, um diese unnötigen Wärmeverluste zu vermeiden.

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