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Niedrigenergiehaus: Fakten und Fördermöglichkeiten

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Niedrigenergiehaus: Fakten und Fördermöglichkeiten

Das Wichtigste in Kürze

Was ist ein Niedrigenergiehaus?

Ein Niedrigenergiehaus ist ein Haus, das deutlich weniger Energie verbraucht als gesetzlich vorgeschrieben ist. Wie viel genau, kannst Du hier nachlesen…

Stellt ein KfW 55 Haus ein Niedrigenergiehaus dar?

Ja, ein KfW 55 Haus erfüllt die Anforderungen an ein Niedrigenergiehaus.

Was für Niedrigenergiehäuser gibt es?

Es gibt verschiedene Standards und Konzepte für Niedrigenergiehäuser, wie zum Beispiel EnEV-Haus, KfW-Effizienzhaus, Passivhaus oder Minergie-Haus. Es gibt unterstützende Förderprogramme…

Wenn Du ein Haus bauen oder kaufen möchtest, das nicht nur komfortabel, sondern auch energieeffizient und umweltfreundlich ist, dann hast Du vielleicht schon mal von einem Niedrigenergiehaus gehört. Aber was ist das eigentlich genau? Und welche Vorteile und Nachteile hat es? In diesem Blogartikel erfährst Du alles, was Du über Niedrigenergiehäuser wissen solltest.

Was ist ein Niedrigenergiehaus?

Ein Niedrigenergiehaus ist sehr nachhaltig und effizient im Energieverbrauch.

Ein Niedrigenergiehaus ist ein Gebäude, das sehr wenig Heizwärme verliert und somit einen geringen Energieverbrauch hat. Als internationaler Richtwert für ein Niedrigenergiehaus gilt ein Heizwärmebedarf von maximal 70 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr.

Das entspricht einem durchschnittlichen Verbrauch von etwa sieben Litern Heizöl pro Quadratmeter und Jahr. Zum Vergleich: Ein konventionelles Haus verbraucht etwa 15 bis 20 Liter Heizöl pro Quadratmeter und Jahr.

Der Begriff Niedrigenergiehaus ist allerdings nicht gesetzlich geschützt oder eindeutig definiert. Er wird häufig als Oberbegriff für verschiedene Energiestandards und Baukonzepte verwendet, die bestimmte Anforderungen an die Energieeffizienz erfüllen oder übertreffen.

In Deutschland gilt seit 2009 die Energieeinsparverordnung (EnEV), die den maximal zulässigen Primärenergiebedarf und den spezifischen Transmissionswärmeverlust für Neubauten begrenzt. Ein EnEV-Haus ist somit mindestens ein Niedrigenergiehaus. Darüber hinaus gibt es weitere Standards wie das KfW-Effizienzhaus, das Passivhaus oder das Minergie-Haus, die noch strengere Kriterien haben.

Schon gewusst?

Ein Niedrigenergiehaus ist nicht dasselbe wie ein Passivhaus. Ein Passivhaus ist ein noch energieeffizienterer Baustandard mit einem Heizwärmebedarf von maximal 15 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr. Das entspricht einem durchschnittlichen Verbrauch von etwa 1,5 Liter Heizöl pro Quadratmeter und Jahr. Ein Passivhaus benötigt kein konventionelles Heizsystem, sondern nutzt die passive Sonnenenergie und interne Wärmequellen wie Personen oder Geräte.

Wie funktioniert ein Niedrigenergiehaus?

Das wichtigste Element eines Niedrigenergiehauses ist eine optimale Wärmedämmung. Das bedeutet, dass alle Bauteile, die mit der Außenluft in Kontakt kommen, wie Dach, Wände, Fenster oder Bodenplatte, möglichst wenig Wärme nach außen abgeben. So können Wärmeverluste reduziert und der Heizbedarf gesenkt werden. Außerdem sorgt eine gute Wärmedämmung für ein angenehmes Raumklima und beugt Schimmelbildung vor.

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Neben der Wärmedämmung spielen weitere Faktoren eine Rolle für die Energieeffizienz eines Niedrigenergiehauses.

  1. Die Ausrichtung des Hauses: Ein Niedrigenergiehaus sollte möglichst nach Süden ausgerichtet sein, um die Sonneneinstrahlung zu nutzen und die Heizkosten zu senken.
  2. Die Belüftung des Hauses: In einem Niedrigenergiehaus sollte eine kontrollierte Wohnraumlüftung vorhanden sein, die für einen ständigen Luftaustausch sorgt und dabei die Wärme aus der Abluft zurückgewinnt. Dies spart Energie und verbessert darüber hinaus die Luftqualität.
  3. Die Heizung des Hauses: Zu einem Niedrigenergiehaus gehört eine effiziente Heizungsanlage, die möglichst wenig fossile Brennstoffe verbraucht und erneuerbare Energien nutzt. Das schont die Umwelt und reduziert Emissionen.
  4. Die Elektrogeräte im Haus: Ein Niedrigenergiehaus ist vorzugsweise mit energieeffizienten Elektrogeräten ausgestattet, die einen geringen Stromverbrauch haben und möglichst wenig Standby-Energie verbrauchen.

Tipp: Um den Energieverbrauch eines Niedrigenergiehauses zu ermitteln, kannst Du Dir einen Energieausweis ausstellen lassen. Dieser zeigt Dir, wie viel Energie Dein Haus pro Jahr verbraucht und wie es im Vergleich zu anderen Häusern abschneidet. Der Energieausweis ist für Neubauten und bei Verkauf oder Vermietung von Gebäuden gesetzlich vorgeschrieben.

Ein Blick auf die Vor- und Nachteile

Vorteile

Geringe Heizkosten
Komfort
Klimaschutz

Nachteile

Hohe Baukosten
Wartungsintensiv
Gebundenheit

Die Vorteile eines Niedrigenergiehauses

Ein Niedrigenergiehaus hat viele Vorteile, sowohl für Dich als Bewohner als auch für die Umwelt.

  • Du sparst Heizkosten: Ein Niedrigenergiehaus verbraucht deutlich weniger Energie als ein konventionelles Haus. Das bedeutet, dass Du weniger Geld fürs Heizen ausgeben musst und weniger abhängig von steigenden Energiepreisen bist.
  • Du lebst komfortabel: Du hast in einem Niedrigenergiehaus ein angenehmes Raumklima, das weder zu warm noch zu kalt ist. Darüber hinaus ist die Luftqualität gut, was Deine Gesundheit und Dein Wohlbefinden fördert.
  • Du schützt die Umwelt: Das Niedrigenergiehaus verursacht weniger CO2-Emissionen und trägt so zum Klimaschutz bei. Zusätzlich schonst Du die natürlichen Ressourcen, indem Du weniger fossile Brennstoffe verbrauchst und erneuerbare Energien nutzt.

Die Nachteile eines Niedrigenergiehauses

Ein Niedrigenergiehaus hat auch einige Nachteile, die man bedenken sollte. Hier sind einige davon:

  • Du zahlst höhere Baukosten: Ein Niedrigenergiehaus ist in der Regel teurer als ein konventionelles Haus, weil es höhere Anforderungen an die Bauqualität und die technische Ausstattung stellt. Du musst also mehr Geld für Planung, Materialien und Handwerker ausgeben.
  • Es ist wartungsintensiver: Ein Niedrigenergiehaus ist wartungsintensiver als ein konventionelles Haus, weil es über eine komplexere Technik verfügt. Daher fallen mehr Kosten für die regelmäßige Kontrolle und Reinigung der Anlagen an.
  • Du bist in Deiner Gestaltungsfreiheit eingeschränkt: Oft hat ein Niedrigenergiehaus eine bestimmte Architektur, die auf eine optimale Nutzung der Sonnenenergie ausgerichtet ist. Das bedeutet, dass Du weniger Spielraum für individuelle Gestaltungswünsche hast und Dich an bestimmte Vorgaben halten musst.

Lege los mit einem Förderprogramm

Das Nutzen von erneuerbaren Energien gehört zum Niedrigenergiehaus oft dazu.

Die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) unterstützt verschiedene Maßnahmen zur Verbesserung der Energieeffizienz und zur Nutzung erneuerbarer Energien im Gebäudebereich. Das BEG besteht aus drei Teilprogrammen: BEG Wohngebäude, BEG Nichtwohngebäude und BEG Einzelmaßnahmen. Anträge werden entweder bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) oder beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) gestellt.

Das KfW-Wohneigentumsprogramm bietet einen zinsgünstigen Kredit bis zu 100.000 Euro für den Bau oder Kauf von neuem oder bestehendem Wohneigentum. Das Programm lässt sich gut mit anderen KfW-Förderprodukten wie dem Baukindergeld oder dem Kredit Energieeffizient Bauen kombinieren.

Das Baukindergeld gibt Dir einen Zuschuss von 12.000 Euro pro Kind für den Bau oder Kauf der eigenen vier Wände. Das Programm richtet sich an Familien mit Kindern und Alleinerziehende mit einem bestimmten Einkommen.

Das Förderprogramm Energieeffizient Bauen besteht aus einem Förderkredit von bis zu 120.000 Euro pro Wohnung für den Neubau oder Kauf eines KfW-Effizienzhauses bietet. Zusätzlich kannst Du einen Tilgungszuschuss erhalten, der Dir die Rückzahlung erleichtert.

Das Programm Erneuerbare Energien – Standardkredit bietet einen Förderkredit von bis zu 50 Millionen Euro für Anlagen zur Strom- und Wärmeerzeugung aus erneuerbaren Energien gibt es ebenfalls. Gefördert werden zum Beispiel Photovoltaik, Wasserkraft, Windkraft, Biogas und vieles mehr.

Die Energieeffizient Bauen und Sanieren – Baubegleitung bietet Dir einen Zuschuss bis zu 4.000 Euro für die Planung und Baubegleitung durch einen Experten für Energieeffizienz bietet.

Achtung: Das Programm kann nur in Kombination mit anderen Förderprodukten der KfW in Anspruch genommen werden.

Voraussetzungen für die Förderprogramme

Die Voraussetzungen, die Du erfüllen musst, um von den Förderprogrammen zu profitieren, hängen von dem jeweiligen Programm und der Art der Maßnahme ab, die Du durchführen möchtest. Hier sind einige allgemeine Voraussetzungen, die für die meisten Programme gelten:

  • Du bist Eigentümer, Pächter oder Mieter eines Gebäudes oder einer Wohnung, die Du selbst nutzt oder vermietest.
  • Du stellst den Antrag vor Beginn der Maßnahme bei der zuständigen Stelle (BAFA oder KfW).
  • Die Maßnahme führst Du nach den technischen Mindestanforderungen und den geltenden Normen und Richtlinien durch.
  • Du beauftragst einen qualifizierten Energieeffizienz-Experten für die Planung und Baubegleitung der Maßnahme.
  • Nur förderfähige Produkte und Anlagen werden genutzt, die auf den Listen der BAFA oder KfW aufgeführt sind.
  • Du weist die Durchführung und den Erfolg der Maßnahme durch entsprechende Nachweise und Unterlagen nach.

Du kannst Dich auch von einem Energieberater beraten lassen, der Dir die passenden Fördermöglichkeiten für Dein Projekt empfehlen kann.

Lohnt sich ein Niedrigenergiehaus?

Ein Niedrigenergiehaus ist eine sinnvolle Investition für alle, die ein energieeffizientes und umweltfreundliches Haus bauen oder kaufen wollen. Es bietet viele Vorteile wie geringere Heizkosten, mehr Wohnkomfort und einen Beitrag zum Klimaschutz. Allerdings musst Du auch einige Nachteile in Kauf nehmen, wie zum Beispiel höhere Baukosten, mehr Wartungsaufwand und weniger Gestaltungsfreiheit.

Quellen