PassivhausNoch vor ca. zehn Jahren wurde viel über Passivhäuser gesprochen und geschrieben. Seitdem hat sich einiges geändert. Wer sich heute vornimmt, sein Eigenheim nach dem Passivhaus-Standard zu bauen, steht zu Recht vor der Frage: Was macht eigentlich ein Haus zu einem Passivhaus?

Das macht ein Passivhaus aus

Ein echtes Passivhaus entspricht den Zertifizierungskriterien des Passivhausinstituts Darmstadt (siehe https://ig-passivhaus.de). Sein Hauptmerkmal ist, dass es nur mit den vorhandenen hausinternen Wärmequellen – also den Bewohnern mit ihrer Körperwärme und den Haushaltsgeräten mit ihrer Abwärme – sowie der Sonneneinstrahlung warm gehalten werden kann.
Um diesen Effekt zu optimieren, ist neben einer Dreifach-Wärmeschutzverglasung und einer hochwertigen Wärmedämmung der Außenhaut auch die Einhaltung konstruktiver Vorgaben nötig:
So sollte u. a. darauf geachtet werden, dass die nach Süden ausgerichteten Fenster sehr groß sind, um viel Sonnenlicht in die Räume zu lassen und die am wenigsten genutzten Zimmer im Norden der Immobilie sind, um Heizenergie zu sparen.
Das Passivhausinstitut Darmstadt hat hier ganz konkrete Eckdaten ausgearbeitet. So darf ein Passivhaus einen jährlichen Heizwärmebedarf von höchstens 15 kWh/m2 und eine Heizlast von maximal 10 W/m2 haben. Anders ausgedrückt: Es soll mit weniger als 1,5 Litern Heizöl pro Quadratmeter pro Jahr auskommen. Seitdem 1991 das erste Passivhaus nach den Darmstädter Standards gebaut wurde, hat das Passivhaus-Institut mehr als 21.000 Wohneinheiten zertifiziert.

Das Passivhaus und die KfW

Mit jeder Verschärfung der Energie-Einsparverordnung (EnEV) hat die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) mit einer kleinen zeitlichen Verzögerung ebenfalls ihre Anforderungen an die von ihr geförderten KfW-Effizienzhäuser angepasst. Vor einigen Jahren galten noch Effizienzhäuser 115, 100, 85 und 70 als energetisch förderungswürdig. Die heutigen Effizienzstandards, die die KfW mit entsprechenden Förderungen unterstützt, haben jedoch nur noch einen Primärenergiebedarf von 55 % (KfW-Effizienzhaus 55) oder 40 % (KfW-Effizienzhäuser 40 und 40 Plus). Der Begriff „Passivhaus“ ist aus dem KfW-Vokabular praktisch verschwunden, weil er für die Richtlinien, anhand derer Bauherren Kredite beantragen und Tilgungszuschüsse in Anspruch nehmen können, zu ungenau ist.

So heißt es in den Technischen Mindestanforderungen zu Förderprogramm 153:
"Für ein Passivhaus ist der Nachweis gemäß den Bilanzierungsvorschriften für KfW-Effizienzhäuser zu führen. Das heißt, dass der Jahres-Primärenergiebedarf (QP) und der auf die wärmeübertragende Umfassungsfläche des Gebäudes bezogene Transmissionswärmeverlust (H’T) des Neubauobjekts auf Grundlage der Bilanzierungsvorschriften für ein KfW-Effizienzhaus 40, 40 Plus oder 55 zu ermitteln sind. Alternativ kann für ein Passivhaus auch das KfW-Effizienzhaus 55 nach Referenzwerten nachgewiesen werden." Alle heutigen Effizienzhäuser sind also gute oder sehr gute Passivhäuser. Der eigentliche Begriff ist jedoch überholt.

 

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