Bauratgeber Sachsen Anhalt

Unter einem Passivhaus versteht man ein Gebäude, das durch eine spezielle Wärmeisolierung, Wärmenutzung sowie Wärmerückgewinnung für ein gleichbleibend angenehmes Raumklima sorgt. Hierzu werden vor allem die Wärmeabstrahlung der Hausbewohner, von technischen Geräten sowie die solare Einstrahlung effizient genutzt. Auf diese Weise wird der Verzicht auf konventionelle Heizsysteme in aller Regel ermöglicht. Das Ergebnis ist ein maximaler Wohnkomfort bei minimalen Energiekosten im Einklang mit unserer Umwelt. Um dies zu erreichen, folgt man einem Baustandard, der hinsichtlich Architektur, Technik und Ökologie besondere Anforderungen stellt. Ein Passivhaus setzt nach den Zertifizierungskriterien des Passivhausinstituts Darmstadt einen maximalen jährlichen Heizwärmebedarf von 15 kWh/m² und eine maximal zulässige Heizlast von 10 W/m² als feste Größe voraus. Darüber hinaus darf der Primärenergiebedarf höchstens 120 kWh/(m²•a) betragen, auch für die Wirkungsgrade und die Luftdichtheit wurden Grenzwerte formuliert. Weiterhin muss ein Passivhaus auch im Winter durch Zuluft beheizt werden können. Dies lässt sich wesentlich durch ein kluges Zusammenspiel der Komponenten Wärmedämmung, Lüftung und Heizung erreichen.Auch wenn „ideale“ Passivhäuser eine bestimmte, meist würfel- oder quaderförmige, Bauform haben, so ist es dennoch möglich, diesen Standard durch Umbauten und Sanierungen auch bei Bestandsbauten umzusetzen.

Dies unterscheidet ein Passivhaus vom konventionellen Haus nach EnEV

Im Vergleich zu einem konventionellen Neubau gemäß der Energieeinsparverordnung (EnEV) benötigt das Passivhaus gut 90 Prozent weniger Heizenergie. Würde man dies in Heizöl umrechnen, käme ein Passivhaus pro Jahr mit weniger als 1,5 Liter pro Quadratmeter aus. Der jährliche Heizbedarf für Passivhäuser beläuft sich auf maximal 15 kWh pro m². Im Vergleich dazu summiert sich der Energiebedarf eines konventionell gebauten Hauses auf bis zu 300 kWh pro m².

Funktionsweise der Passivhäuser

Beim Passivhaus gelingt es, durch effiziente Wärmedämmung den Verlust von Heizwärme weitestgehend zu vermeiden. Ziel ist es hierbei, den Wärmeverlust durch Wärmeleitung und Lüftung zu minimieren. Das Haus wird ohne Wärmebrücken konstruiert und erhält eine luftdichte Gebäudehülle. Hierbei werden auch Keller, Dach sowie Haus- und Rohranschlüsse nicht außer Acht gelassen, da hier üblicherweise der größte Wärmeverlust stattfindet. Der Einbau von Fenstern mit einer dreifachen Wärmeschutzverglasung und wärmegedämmten Außentüren sorgt schließlich dafür, dass das Haus nahezu wärmeverlustsicher ist.
Über ein spezielles Lüftungssystem wird nun Frischluft von außen angesaugt und durch die erwärmte Abluft aus dem Inneren vorgewärmt. Etwa 80 Prozent ihrer Wärme gibt die Abluft hierbei im Wärmetauscher an die Zuluft ab. Dadurch wird es möglich, dass die 20° C warme Abluft die kalte Frischluft ohne zusätzlichen Einsatz von Heizenergie auf etwa 16° C erwärmen kann. Der erzielte Effekt ist ein sehr konstantes Raumklima und der mögliche Verzicht auf herkömmliche Heizsysteme in der kalten Jahreszeit. Falls eine zusätzliche Heizquelle dennoch gewünscht werden sollte, empfiehlt sich der Einsatz von Flächen- oder Fußbodenheizungen.

Beim Passivhaus sollte der Baukörper eine möglichst kompakte Form besitzen. Jeder Erker und jede Gaube stellen eine weitere, wärmeübertragende Fläche da. Diese muss durch eine erhöhte Dämmstoffdicke ausgeglichen werden. Die Kompaktheit eines Passivhaus wird beschrieben durch das A/V Verhältnis. A steht für die Außenoberfläche der Passivhäuser und V für das zu beheizende Gebäudevolumen. Je höher dieser Wert ist, desto mehr Wärme wird nach außen übertragen. Die Nutzung von passiver Solarenergie ist unverzichtbar bei Passivhäuser. Optimalerweise ist der größte Fensterflächenanteil nach Süden ausgerichtet und nur möglichst wenig nach Norden. Bei der Planung eines Passivhauses wird das in den Grundriss bereits mit einbezogen. Wichtige Räume wie Wohnzimmer oder auch Kinderzimmer werden nach Süden ausgerichtet, Zimmer mit untergeordneter Funktion wie Bad, Abstellkammer oder Technikraum nach Norden. Zu beachten ist auch die Verschattungsfreiheit. Diese sollte auf der Südseite nahezu komplett gewährleistet sein. Verschattung durch beispielsweise Nachbargebäude oder auch Bäume sind hier von erheblichem Nachteil. Um Überhitzung im Sommer zu vermeiden, ist ein gut geplanter Dachüberstand sinnvoll. Richtig angelegt, lässt er auch im Winter trotzdem genügend Solar-Gewinnung zu.

Der Begriff des Passivhauses ist nicht rechtlich definiert. Es ist jedoch üblich, sich an der Definition des Passivhaus Institut Darmstadt zu orientieren. Danach wird ein Passivhaus nicht mithilfe eines konventionellen Heizsystems mit Heizkörpern in allen Räumen, sondern „passiv“ durch zurückgewonnene Wärme, innere Wärmequellen (z. B. Abwärme von Elektrogeräten, Körperwärme der Bewohner) und Sonnenlicht beheizt. Es kommt umgerechnet mit unter 1,5 Litern Heizöl pro Jahr und Quadratmeter aus. Bevor ein Haus als Passivhaus gilt und der Bauherr finanzielle Förderungen in Anspruch nehmen kann, muss eine Reihe von energetischen Vorgaben erfüllt sein. Die „passive“ Bauweise ist nicht auf spezielle Gebäudetypen festgelegt. Diese Standards können ebenfalls durch Sanierungen und Umbauten bei existierenden Gebäuden erreicht werden.

Kriterien für ein Passivhaus

  • Wärmedämmung: Wärmedurchgangskoeffizient kD < 0,15 W/(m²K)
  • Verglasungen: Wärmedurchgangskoeffizient kV unter 0,8 W/(m²K)
  • Energiedurchlassgrad g ³ unter 50 % (Wärmegewinne im Winter)
  • Fenster: Wärmedurchgangskoeffizient kF unter 0,80 W/(m²K)
  • wärmebrückenfreie Ausführung der Gebäudehülle
  • ausgezeichnete Luftdichtheit: Luftdurchlässigkeit der Gebäudehülle n50 ≤ 0,6 h-1
  • höchsteffiziente Lüftungswärmerückgewinnung bei niedrigem Stromverbrauch < 0,45 W/(m³/h)
  • niedrigste Wärmeverluste bei der Warmwasserbereitung und –verteilung
  • hocheffiziente Nutzung von elektrischem Haushaltsstrom
  • Luftwärmerückgewinnung mit Temperaturwirkungsgrad Φ > 0,75
  • Energiekennwert Heizwärme ≤ 15 kWh/(m²a) oder Heizlast ≤ 10 W/m²
  • Energiekennwert Primärenergie ≤ 120 kWh/(m²a)

Anforderungen an die Gebäudehülle

Wärmedämmung

Ein sehr guter Wärmeschutz ist für Passivhäuser für die Energieeffizienz unerlässlich. Er wird als Wärmedurchgangskoeffizient bezeichnet und sollte unter 0,15W/(m²K) betragen. Mit einbezogen werden alle Außenbauteile des Passivhauses, also Wände und Dach, aber auch das Fundament. Die Dämmstoffdicken liegen zwischen 25 - 40 cm, je nach Qualität des Dämmmaterials.
Die Bauweise der Passivhäuser (Holz, Stahl, Massiv etc.) spielt dabei keine Rolle, sie alle sind in hochgedämmter Gebäudehülle baubar. Die verbesserte Wärmedämmung reduziert die Wärmeverluste und sorgt zugleich für höhere Innentemperaturen im Winter sowie auch niedrigere im Sommer. Es besteht kaum ein Unterschied der Raumtemperatur zwischen Sommer und Winter. Dieses sorgt für ein angenehmes Wohlfühlklima. Kalte Ecken sind passé und auch die Gefahr von Tauwasser sinkt. Im Sommer kann mit dem Prinzip des Passivhauses auch die Klimaanlage vermieden werden, im Winter bleibt es wohlig warm. Als Dämmstoffe sind alle marktüblichen verwendbar. Innovative Möglichkeiten sind Vakuumisolationspaneele oder Schaumglasschotter.

Wärmebrücken

Schwachstellen in der Gebäudehülle von Passivhäusern werden im Fachjargon als Wärmebrücken bezeichnet. Beispiele hierfür sind Ecken oder Kanten, Durchdringungen oder auch Anschlüsse. An solchen Stellen ist der Wärmeverlust größer. Die Gefahr von Tauwasseranfall und Schimmelbildung ist hier erhöht, da die innere Oberflächentemperatur an solchen Stellen niedriger ist. Erfahrungen haben gezeigt, dass das Vermeiden solcher Wärmebrücken die wirtschaftlichste Einsparung in einem Passivhaus ist. Bei der Planung von Passivhäusern ist es daher unumgänglich, solche Wärmebrücken zu vermeiden, da sie einen erheblichen Einfluss auf die Transmissionswärmeverluste haben. Nur so ist der angestrebte geringe Jahresheizwärmebedarf tatsächlich zu realisieren.
Die Verluste durch Wärmebrücken werden mit Hilfe des Psi-Wertes dargestellt. Dies sind Korrekturfaktoren, bezogen auf die tatsächliche Konstruktion. Die Qualität der Wärmedämmung kann von der absoluten Größe nicht abgeleitet werden. Erst bei einer hoch wärmegedämmten Gebäudehülle kommen solche Wärmebrückeneffekte wirklich zum Tragen. Ein ungedämmtes Haus besteht nahezu nur aus Wärmebrücken, der Psi-Wert wäre nahezu Null. Bei Passivhäusern wird eine nahezu wärmebrückenfreie Bauweise angestrebt, welche durch die Begrenzung des Psi-Wertes auf maximal 0,01 W/(m²K) ausgedrückt wird. Es ist unbedingt notwendig, die Wärmebrücken genau zu analysieren und korrekt zu berechnen.

Luftdichtheit

Ohne Luftdichtheit ist das Konzept des Passivhauses undenkbar, beziehungsweise schlicht nicht machbar. Nur eine wind- und luftdichte Gebäudehülle ermöglicht es, die Lüftungswärmeverluste so gering wie möglich zu gestalten. Eine komfortable Lüftungsanlage mit Wärmetauscher sorgt für ausreichend Frischluft. In einem Turnus von meist 1 - 4 Stunden wird die komplette Luft des Hauses ausgetauscht. Je besser die Luftdichtheit, desto weniger Bauschäden, mehr eingesparte Energie und höherer Wohnkomfort. Die Gebäudedichtheit wird über einen Drucktest kontrolliert, den sogenannten Blower-Door-Test. Bei einem Unter- als auch Überdruck von 50 Pa bei Passivhäusern sollte eine Luftwechselrate von 0,6 fachen Luftwechseln pro Stunde erreicht werden. Während dieses Tests werden Leckagen gemessen und gegebenenfalls nachgebessert. In einem Haus in Massivbauweise ist es am leichtesten, die Luftdichtheit zu erreichen. Der Innenputz stellt die luftdichte Ebene da. Bei anderen Bauweisen wird sie durch das Verwenden von geeigneten Folien oder verklebten Holzwerkstoffplatten erreicht.

Fenster

Die Fenster in einem Passivhaus sind von spezieller Bauart. Dreifach verglast und die Zwischenräume sind mit Argon, seltener mit Krypton gefüllt. Die Rahmen sind besonders schmal und ebenfalls bestmöglich wärmegedämmt. Je nach Wunsch sind Holz oder Kunststoffrahmen möglich, ebenso Pfosten-Riegel-Konstruktionen. Diese Spezialfenster lassen im Winter mehr solare Energie in das Haus hinein, als sie Wärme nach außen hin abgeben. Im Sommer steht die Sonne in einem höheren Einfallswinkel. So gelangt dank Reflexion weniger Wärme in das Passivhaus hinein und Überhitzung wird vermieden. Große Fensterflächen sollten südorientiert platziert werden. Ost- oder Westausrichtung birgt die Gefahr der Überwärmung und bedarf eventuell eines Sonnenschutzes. Für diese energetischen Fenster in einem Passivhaus, auch Superfenster genannt, ist ein Wärmedurchgangskoeffizient von weniger als 0,8 W (m²/K) gefordert. Schlecht geplante Fenster können erhebliche Wärmebrücken bedeuten. Der g-Wert gibt an, wie viel solare Energie in einen Raum kommt und zur Erwärmung beiträgt. Für Passivhäuser sollte er bei 0,5 liegen.

Anforderungen an die Heiztechnik

Ein Passivhaus - das steht für Energieeffizienz, Komfort, Wirtschaftlichkeit und Umweltbewusstsein. Hierbei handelt es sich um ein Baukonzept, welches im Vergleich zu anderen Bauarten bis zu 80% der Heizkosten einsparen kann. Im Durchschnitt muss hier dann nur mit 10 - 25 Euro Heizkosten pro Monat gerechnet werden. Der Heizwärmebedarf liegt hierbei gerade mal bei maximal 15 kWh. Doch wie genau funktioniert dieses Baukonzept Passivhaus? Wie kommt es zu Energieeinsparungen, mehr Komfort und einem umweltbewussten Heizen und Leben? Ein Passivhaus wird u.a. dadurch ein Passivhaus, weil die optimierte Gebäudehülle verhindert, dass die Innentemperatur stark abkühlt oder auch sich erhöht. Im Sommer bleiben so die heißen Temperaturen draußen, im Winter die kalten. Die richtige Dämmung sowie dichte und 3-fach verglaste Fenster sind hier das A und O. Und auch ein gutes Lüftungskonzept kann und darf in keinem Passivhaus fehlen.

Heizung und Warmwasseraufbereitung

Aufgrund der optimierten Gebäudehülle, der Lüftungsanlage sowie der zugdichten Fenster, werden herkömmliche bzw. konventionelle Heizsysteme beim Passivhaus hinfällig. Aus diesem Grund gibt es spezielle Heizsysteme, die optimal auf ein Passivhaus abgestimmt sind und hier je nach Bedarf zuheizen können. So kann z.B. eine Zuluftheizung an die ohnehin vorhandene Lüftungsanlage gekoppelt werden und hier je nach Bedarf zuheizen. In vielen Passivhäusern stellt diese Variante die Grundheizung dar.
Es gibt jedoch auch noch weitere Möglichkeiten. So kann z.B. ein auch kleiner Ofen, der dann z.B. mit Pellets betrieben wird, zentral aufgestellt werden und für eine eventuell notwendige Wärmezufuhr sorgen. Ein Brennkessel kann hier zusätzlich für die Warmwassergewinnung sorgen. Kompaktgeräte vereinen Heizung, Warmwasseraufbereitung und Lüftungsanlage in einem.
Auch über Erdwärme kann Energie und Wärme gewonnen werden. Wenn z.B. die Lüftungsrohre mind. 80 cm tief im Boden liegen, kann auch hier über die Erdwärme dem Passivhaus Energie zugeführt werden.
Die Warmwassergewinnung erfolgt normalerweise über die Heizung. Da in Passivhäusern jedoch auf eine übliche Heizungsanlage verzichtet wird, muss das Wasser auf einem anderen Weg erwärmt werden. Ein Weg kann hier über die Lüftungsanlage sein. Warme Luft, die über die Lüftungsanlage nach Außen geht, wird zu einem Teil dem Warmwasserpuffer zugeführt und erhitzt so das Wasser. Aber auch Sonnenkollektoren oder eben auch Erdwärme können dabei helfen, die Warmwasseraufbereitung der Passivhäuser sicher zu stellen.

Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung

Lüften ist wichtig, besonders in Neubauten. Dabei ist das richtige Lüften nicht immer einfach. Besonders Passivhäuser haben hier große und hohe Anforderungen, da hier durch die Gebäudehülle oder auch die Fenster keine Frischluft zugeführt werden kann. Doch eben diese frische Luft ist unverzichtbar für ein gutes Raumklima und ein gesundes Leben. Mit einer Lüftungsanlage wird optimales Lüften auch für Passivhäuser möglich. Lüftungsanlage, das bedeutet, über Lüftungsschlitze, Rohre oder ähnliches, wird den Räumen frische Luft zugeführt, aber auch, verbrauchte Luft abgeführt. Hier gibt es viele verschiedene Systeme. Meist sorgen Motoren, die z.B. über eine Zeituhr gesteuert werden können, in regelmäßigen Abständen, für einen guten und gesunden Luftaustausch in den einzelnen Räumen. Da Passivhäuser jedoch ohne eine konventionelle Heizungsanlage arbeiten, wäre es fatal, die ganze Raumwärme regelmäßig nach außen zu blasen. Die Wärmerückgewinnung verhindert das. So wird ein Teil der ausströmenden Wäre wieder zurückgeführt und dient der konstanten Temperaturerhaltung der Räume. Ein anderer Teil kann, wie schon erwähnt, auch der Warmwasseraufbereitung dienen. Die ausströmende Luft wird am sogenannten Wärmetaucher vorbeigeführt. Dieser filtert die Energie, also die Wärme heraus. Die Zuluft nimmt dann diese Energie vom Wärmetaucher mit nach innen, das bedeutet, die Zuluft kommt schon erwärmt in den Räumen an.

Die Kosten der Heiztechnik

Es gibt viele Möglichkeiten der Warmwasseraufbereitung und Zuheizung bei Passivhäusern. Auch viele verschiedene Hersteller bieten hier ihre Produkte und Konzepte an. Pauschal lässt sich daher nicht beantworten, welche Kosten hier auf die Bauherren zukommen können. Oft jedoch sind diese Systeme teurer als die herkömmlichen Heizsysteme. Der Unterschied aber: Später dann ist der regelmäßige Energie- und Stromverbrauch so gering, dass sich diese Investition schon nach kurzer Zeit gelohnt hat.

KfW-Förderbedingungen

Bis zum 31. März 2016 wurde das Passivhaus gleichberechtigt neben den KfW-Effizienzhäusern im Programm „Energieeffizient Bauen“ (Nr. 153) aufgeführt.

Das hat sich zum 1. April 2016 geändert:
Seitdem wird es nicht mehr ausdrücklich genannt, kann jedoch abhängig vom Erreichen eines energetischen Effizienzhausniveaus  als KfW-Effizienzhaus 55, 40 oder 40 Plus weiterhin gefördert werden. Es muss allerdings in der Berechnung nach dem Passivhaus-Projektierungspaket (PHPP) nun zusätzlich nachgewiesen werden, dass der Transmissionswärmeverlust und der Jahres-Primärenergiebedarf den Anforderungen, die an ein KfW-Effizienzhaus gestellt werden, genügen.

  • Programm 153
    Die Förderung des Programms 153 kann sowohl für ein neu gebautes als auch erstmals erworbenes Passivhaus in Form eines zinsgünstigen Kredits in Anspruch genommen werden.
    Sie beträgt maximal 100.000 Euro je Wohneinheit mit einer bis zu 20-jährigen Zinsbindung; in Abhängigkeit des erreichten KfW-Effizienzhausstandards wird ein Tilgungszuschuss zwischen 5.000 und 15.000 Euro pro Wohneinheit gewährt, der von der Kreditsumme abgezogen wird und so die Laufzeit verkürzt.

  • Programm „Energieeffizient Bauen“
    Das Programm „Energieeffizient Bauen“ kann mit dem Programm „Energieeffizient Bauen und Sanieren – Zuschuss Baubegleitung“ (Nr. 431) kombiniert werden. Bei Honoraren für eine qualifizierte Baubegleitung von bis zu 4.000 Euro werden hiervon 50 % bezuschusst. Fällt das Honorar sehr gering aus, müssen Antragsteller ggf. auf diese Förderung verzichten: Die KfW zahlt nur Zuschussbeträge aus, die eine Mindesthöhe von 300 Euro haben. In der Anlage zum Programm-Merkblatt wird die Zertifizierung von Passivhäusern ausdrücklich als genehmigungsfähige Leistung aufgeführt.

KfW-Förderung ohne Bedingungen an den KfW-Effizienzhausstandard

Sofern eine selbstgenutzte Wohnimmobilie gekauft oder gebaut wird, unterstützt die KfW dieses Vorhaben mit einem zinsgünstigen Kredit von bis zu 50.000 Euro im Rahmen des Programms „KfW-Wohneigentumsprogramm“ (Nr. 124). Gefördert werden auch unterschiedliche Kosten, die im Zusammenhang mit einer durch eine Schenkung oder Erbschaft erhaltenen Wohnimmobilie entstehen.

KfW-Förderungen, die helfen, ein Haus zum Passivhaus werden zu lassen

  • Programm „Erneuerbare Energien – Standard“ (Nr. 270)
    Das Programm „Erneuerbare Energien – Standard“ (Nr. 270) richtet sich sowohl an Privatleute als auch Unternehmen sowie weitere Zielgruppen. So erklärt sich auch der höchstmögliche Kredit von 50 Mio. Euro. Die KfW fördert hiermit die Errichtung, die Erweiterung und den Kauf von Anlagen, mit denen erneuerbare Energien (Wind, Wasser, Sonnenlicht, Biomasse) genutzt werden können, aber auch den Betrieb von Batteriespeichern. Da ein Passivhaus nicht ohne erneuerbare Energien (bei privaten Wohnhäusern mehrheitlich Solarenergie) auskommt, ist dieses Förderprogramm für alle Bauinteressenten, die sich diesen Gebäudetyp wünschen, attraktiv.
  • „Erneuerbare Energien – Speicher“ (Nr. 275)
    Mit dem KfW-Programm „Erneuerbare Energien – Speicher“ (Nr. 275) werden Eigentümer von Photovoltaik-Anlagen mit einem Kredit gefördert, der ihnen die Anschaffung eines stationären Batteriespeichers ermöglichen soll. Das Programm hat am 1. März 2016 begonnen und läuft mit dem 31. Dezember 2018 aus. Je nach Antragszeitpunkt wird ein Tilgungszuschuss von bis zu 25 % gewährt, der sich mit Zeitablauf für spätere Anträge im Halbjahresrhythmus um jeweils drei Prozentpunkte bis auf 10 % des Kreditbetrags reduziert.

Auch interessant: Förderung durch das BAFA

Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) unterstützt bei Neu- und Bestandsbauten effiziente Wärmepumpen sowie Biomasse- und Solaranlagen mit Zuschüssen. Da diese Förderungen an zahlreiche Vorgaben gebunden sind und unterschiedlich hoch ausfallen, soll an dieser Stelle nur auf die Fundstellen auf der BAFA-Website verwiesen werden, wo umfangreiche Informationen zur Verfügung gestellt wurden:

  • Anreizprogramm Energieeffizienz
  • Biomasse
  • nachträgliche Optimierung einer bereits geförderten Heizungsanlage oder Check der Wärmepumpe
  • Solarthermie
  • Visualisierung des Ertrags von erneuerbaren Energien
  • Wärmepumpen

In den BAFA-Programmen ist nicht ausdrücklich von Förderungen von Passivhäusern die Rede, sie unterstützen Bauherren oder Sanierer aber dabei, diesen Standard zu erreichen.

Beim Bau eines Passivhauses nicht vergessen: Auch die Länder fördern

Fast alle Bundesländer haben Förderprogramme zum energetischem Bauen oder Sanieren aufgelegt, von denen Passivhäuser selbstverständlich ebenfalls profitieren. Da sich deren Umfang und die Voraussetzungen häufig ändern, fördert das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie die Internet-Datenbank energiefoerderung.info, die ständig aktualisiert wird. Hier können infrage kommende Förderungen des Bundes, der Länder sowie der Kommunen mit der Eingabe des Bundeslandes oder der Postleitzahl abgefragt werden.

Die Kosten für ein Passivhaus

Ein Passivhaus benötigt eine exzellent Dämmung sowie spezielle Baustoffe und Bauelemente. Zudem benötigen Sie modernste Heizungs- und Haustechnik. Es liegt auf der Hand, dass die Baukosten für Passivhäuser weitaus über einem Eigenheim liegen, welches nach den Vorgaben der aktuellen Energieeinsparverordnung errichtet wird. Während ein modernes Haus nach der Energieeinsparverordnung zwischen 1300 und 1500 Euro pro Quadratmeter kostet, liegen die Baukosten für ein Passivhaus bei mindestens 1700 Euro pro Qudratmeter.

Lohnt sich ein Passivhaus?

Bei der Betrachtung, ob sich ein Passivhaus zu bauen lohnt, kann man geteilter Meinung sein. Es lohnt sich natürlich umso mehr, desto teurer die Energie für Heizung und Belüftung wird. Die Energieeinsparung liegt zwischen 70 und 80 Prozent gegenüber einem konventionell gebautem Haus. Wer ein Passivhaus oder sogar ein KfW-Effizienzhaus 40 zu bauen plant, wird dies aus innerer Überzeugung tun. Aus finanzmathematischer Sicht wird man mit einem Effizienzhaus keine so großen Einsparungen erwirtschaften, dass sich eine Amortisation der Mehrkosten ergibt. Dies gilt unter anderem auch aus dem Gesichtspunkt, dass nach 10-15 Jahren die Haustechnik nicht mehr als modern und effizient bezeichnet werden kann, für die man aber zuvor viel Geld bezahlte. Auch unter Berücksichting der zinsgünstigsten KFW-Darlehen und einen Tilgungszuschuss, der umso höher ausfällt, je energieeffizienter Sie Ihr Haus bauen, kann nicht davon ausgegangen werden, dass sie die Baukosten durch Energieeinsparungen amortisieren lassen.

Energieeffizienter Hausbau ./. Passivhaus

Auch konventionelle Häuser werden schon mit dreifach verglasten Fenstern, gedämmten Bodenplatten und guter Dämmung der Gebäudehülle gebaut. Selbst Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung sind schon lange kein ein Alleinstellungsmerkmal von Passivhäusern oder Effizienzhäusern mehr. Offenbar unberücksichtigt bleibt in den Lobeshymnen für Passivhäuser, dass zum Beispiel die meist verwendeten Polystyrol/EPS-Dämmstoffe Erdöl-Raffinerie-Produkte sind. Der für die Herstellung von Dämmstoffen benötigte Energieaufwand ist ziemlich hoch und belastet insoweit auch die Energiebilanz. Auch wenn es bereits BIO-Dämmstoffe gibt, so müssen diese angebaut, geerntet und verarbeitet werden.

Fazit:
Es ist sehr wahrscheinlich, dass die höheren Baukosten für förderfähige Effizienzhäuser, zu denen auch die Passivhäuser gehören, nicht durch die Zinsvorteile und Tilgungszuschüsse des Staates aufgefangen werden. Dies wäre auch zuviel des Guten. Wenn Sie sich ein Auto mit Hybridantrieb kaufen, tun Sie das aber auch eher für das gute Gefühl, etwas Gutes für die Umwelt zu tun.

Passivhaus - Vorteile & Nachteile

Zu den Vorteilen gehört mit Sicherheit der große Gewinn an Wohnkomfort. Durch die hochwertige und effiziente Wärmedämmung weisen alle Bauteile auf ihrer Innenseite nahezu Innenraumtemperatur auf. Dies gilt sogar für die Raumverglasung, so dass Kondenswasser und Schimmelbildung der Vergangenheit angehören und aktiv vermieden werden. Durch die Lüftung mit einem Filtersystem wird die Staub- und Keimbelastung der Luft auf ein Minimum reduziert und Luftzug als auch zu starker Luftfeuchtigkeit vorgebeugt. Es sollte jedoch auf einen jährlichen Austauschs des Filters geachtet werden, damit sich dort keine Krankheitskeime festsetzen und den Bewohnern schaden können. Durch den Verzicht auf fossile Brennstoffe tragen Passivhäuser zum Klimaschutz bei und sorgen für einen reduzierten Treibhausgas-Ausstoß. Schließlich zeichnet sich dieser Baustandard durch seine absolute Wirtschaftlichkeit aus. Dafür sorgen die Abkopplung von Energiepreissteigerungen, die minimalen Mehrkosten zur Energieeffizienz- und Qualitätssteigerung gegenüber konventionellen Bauten sowie geringe Amortisationszeiten.

Zu den wenigen nicht zu verschweigenden Nachteilen gehören mit Sicherheit die höheren Investitionskosten. Weiterhin sollte nicht vernachlässigt werden, dass sich Passivhäuser im Sommer schnell aufheizen und im Winter eine relativ niedrige Luftfeuchtigkeit haben. Außerdem ist es für den Erfolg dieser Bauform entscheidend, dass die Fehlerquote bei der Installation der Lüftung gering gehalten und der Energieverbrauch regelmäßig kontrolliert wird.

Inwieweit lohnen sich die Zusatzinvestitionen?

Wer ein Passivhaus überwiegend aus Überzeugung baut und damit ein Stück zur Verbesserung des Klimas und der Umwelt beitragen will, macht sich möglicherweise erst im zweiten Schritt Gedanken darüber, ob sich die hierfür nötigen Mehrkosten für ihn wirtschaftlich auszahlen. Für die Mehrheit der Bauherren steht der finanzielle Aspekt jedoch mindestens gleichberechtigt neben dem ökologischen. Ein Passivhaus kann beim Bau oder erstmaligem Kauf durch die KfW gefördert werden, wenn es die Kriterien für eines der KfW-Effizienzhäuser erfüllt.

Der Frage, ob sich der Bau eines Passivhauses ökonomisch lohnt, hat sich 2015 die Wohnbaugesellschaft GWW aus Wiesbaden gewidmet. Es sollte also herausgefunden werden, ob die durch die hochwertigere energetische Bauweise eingesparten Heizkosten im Laufe der Jahre tatsächlich höher sind als die für den Bau verwendeten Mehrkosten.

Der Versuch und seine Rahmenbedingungen

Es handelt sich um insgesamt acht Mehrfamilienhäuser, die als Modellprojekt konzipiert wurden und einander hinsichtlich ihrer Abmessungen, Lage und Ausrichtung völlig gleichen. Auch die Zahl und Verteilung der Wohnungen sind völlig identisch. Die Gebäude waren 2013 bezugsfertig.

Sie unterscheiden sich allerdings in ihren Baustandards: Die GWW hat die Wohnhäuser nach dem Passivhaus-, dem KfW-Effizienzhaus- und dem EnEV-2009-Standard errichten lassen. Das Investitionsvolumen betrug 11 Mio. Euro.

In ihrem Zwischenbericht zeigte sie sich desillusioniert:

Die Einsparungen in den Passivhäusern wurden als „kaum messbar“ bezeichnet. Zwar wurde in ihnen weniger Heizenergie verbraucht, der Stromverbrauch war dort allerdings um 50 % höher als in den Gebäuden, die nach EnEV-Vorgaben gebaut wurden. Das lag insbesondere an den Lüftungsanlagen. Dabei wiesen Vertreter der Gesellschaft darauf hin, dass die sog. “graue Energie“, die für die Herstellung der für die Passivhäuser zusätzlich verwendeten Baustoffe oder –teile benötigt wird, in ihre Berechnungen nicht eingeflossen ist, aber die Einsparbilanz noch deutlich verschlechtern würde.

Hinsichtlich der Baukosten gab es den größten Kostenunterschied zwischen den Passiv- und den EnEV-Häusern:

Erstere waren um 13,5 % teurer, was in diesem Fall Mehrkosten von etwa 250,-- € pro Quadratmeter entspricht.

Die KfW-55 Häuser verursachten dagegen nur um 2 % höhere Baukosten als die nach der EnEV errichteten Gebäude. Allerdings räumten die Verantwortlichen hier ein, dass diese Häuser sich im Hinblick auf ihre Lage und Ausrichtung von den anderen beiden Haustypen unterschieden und daher nicht vollständig mit ihnen vergleichbar seien.

 

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