AktivhausDas Passivhaus ist mittlerweile den meisten Menschen, die sich für das Thema Hausbau und energetische Maßnahmen interessieren, ein Begriff: Mithilfe von hochwertiger Wärmenutzung, -isolierung und –rückgewinnung wird erreicht, dass dieser Haustyp auf ein konventionelles Heizsystem verzichten kann. Passivhäuser müssen die Zertifizierungskriterien des Passivhausinstituts Darmstadt erfüllen.

Das von Prof. Werner Sobek, einem der maßgeblichen deutschen Architekten für nachhaltiges Bauen, konstruierte Aktivhaus verfolgt grundsätzlich einen etwas anderen Ansatz. Die Grundlage ist ein Plusenergiehaus, also ein Haus, das mehr Energie aus regenerativen Quellen erzeugt, als es von außen bezieht. Für diese Hausvariante gibt es keine verbindliche Definition, sodass die Einbeziehung des Strombedarfs für die Haushaltsgeräte, die Beleuchtung usw. unterschiedlich gehandhabt wird. Ein Plusenergiehaus wird zu einem Aktivhaus, wenn in es Elektromobilität integriert werden kann.

Hierzu ist es nötig, die beiden für die Elektromobilität und das Haus benötigten Energiesysteme miteinander zu verzahnen. Die selbst erzeugte Energie, die nicht im Haus benötigt wird, wird zum Laden der Elektrofahrzeuge verwendet.

Das Projekt „Aktivhaus B10“

Die Errichtung und die Erprobung des Aktivhauses B10 fanden im Rahmen des von der Bundesregierung initiierten Programms „Schaufenster Elektromobilität“, mit dem die Elektromobilität in Deutschland gefördert werden sollte, statt. Das Haus wurde in der Stuttgarter Weißenhofsiedlung gebaut, die schon zum Zeitpunkt ihrer Entstehung Ende der 1920er Jahre ein Sinnbild für zukunftsweisendes Bauen war. Der Namensbestandteil „B10“ leitet sich vom Standort des Gebäudes im Bruckmannweg 10 ab. Das Haus ist in der Lage, doppelt so viel Energie zu erzeugen, wie es selbst benötigt. Es ist an ein virtuelles Kraftwerk angebunden, sodass die Elektromobilität in verschiedenen Anwendungssituationen erprobt werden konnte: sowohl für Menschen, die das Aktivhaus als Büro nutzen und ihr Fahrzeug während der Arbeitszeit aufladen, als auch für Nutzer, die darin wohnen und den Ladeprozess auf die Nachtstunden verlegen. Das Aktivhaus B10 wurde so konzipiert, dass es nicht nur zwei Elekto-Smarts, sondern auch das in der Nähe liegende Weißenhofmuseum mit Strom versorgen konnte. Das Projekt lief im April 2016 aus.

Das Aktivhaus hat Serienreife erlangt

Das heute von Prof. Sobek vermarktete Aktivhaus folgt diesem damaligen Projektansatz: Der überschüssige Strom wird an energetisch weniger leistungsfähige Häuser weitergegeben, die nicht in unmittelbarer Nachbarschaft liegen müssen, sondern nur im selben Quartier.

Der neuartige Haustyp hebt sich in mancherlei Hinsicht von anderen Wohn- oder Geschäftsgebäuden ab. Er wird aus unbehandeltem und zertifiziertem deutschen oder österreichischen Holz der Güteklasse 1 gefertigt und in nur einem Tag Bauzeit auf ein vorbereitetes Fundament, eine Tiefgarage oder einen Keller  aufgestellt. Die kurze Aufbauzeit ist möglich, da es aus Teilen besteht, die Ähnlichkeit mit Containern haben. Außen ist es mit einer Glasfaser-Hülle ausgestattet, auf diese Weise sind für den Holzschutz keine Chemikalien nötig und das Aktivhaus kann am Ende seiner Lebensdauer vollständig wiederverwertet werden.

Prof. Sobek schätzt jedoch noch andere Vorzüge seiner besonderen Hauskonstruktion: Es ist ihm sehr wichtig, dass das Aktivhaus vorausschauend arbeitet. Dies trifft insbesondere auf den Einsatz von Energie zu: Sie wird immer nur dann verbraucht, wenn sie am billigsten ist. Der Architekt betont jedoch, dass seine Aktivhäuser als Energie-Verbünde in direkter Nachbarschaft zu älteren Häusern stehen sollen und diese dann mit ihrer überschüssigen Energie mitversorgen können („smart Grid“). Das würde aufwendige Sanierungen und Wärmedämmungen der Bestandsbauten überflüssig machen und innerhalb solcher Verbünde eine lokale und unabhängige Energieversorgung ermöglichen.

Jedes Aktivhaus wird mit einer Fußbodenheizung beheizt. Häuser aus der Serie 900 erreichen den KfW-Energieeffizienzstandard 55 oder den in der Schweiz geltenden Minergie®-Standard. Die Hausmodule aus der Serie 700 erfüllen mindestens den in der Energie-Einsparverordnung (EnEV) von 2016 festgelegten Standard, sind jedoch gegen Aufpreis auch im KfW-Effizienzstandard 55 erhältlich.

So wird das Aktivhaus heute angeboten

Alle Baustoffe unterliegen hinsichtlich ihrer Nachhaltigkeit und Wohngesundheit strengen Kriterien. Ein Aktivhaus hat nur etwa  1/6 des Gewichts eines typischen Hauses in Massivbauweise und wird im Werk komplett vorgefertigt und installiert. Zwischen der verbindlichen Auftragserteilung und/oder der Baugenehmigung und dem Hausaufbau liegen 12 Wochen. Kunden können aus zahlreichen Modulen, Oberflächen für die Außenwände, Ausstattungen, Materialien, Farben sowie unterschiedlichen Fensterelementen wählen. Das Unternehmen AH Aktiv-Haus GmbH bezeichnet diesen Standard als „wohnfertig“ und will sich damit bewusst vom Begriff „schlüsselfertig“ abgrenzen. Die Bewohner sollen das Haus sofort nach seiner Fertigstellung nutzen können.

Das Aktivhaus wird in verschiedenen Modulgrößen angeboten. Die Serie 700 reicht beispielsweise vom sehr kleinen Modul mit einer Nettowohnfläche von 28,5 m2 bis zum familientauglichen Eigenheim von 186 m2. Ein Aktivhaus-Komplex lässt sich so gestalten, dass bis zu sechs Geschosse übereinander gebaut werden. Aktivhäuser sind grundsätzlich so konzipiert, dass sie sich auch für das Leben mit körperlichen Einschränkungen eignen: Eingeschossige Module werden von vornherein barrierefrei mit einer bodengleichen Dusche konzipiert, für mehrgeschossige Häuser wird optional der Einbau eines Lifts angeboten. Alle Häuser werden, bevor sie das Werk verlassen, auf Mängelfreiheit überprüft. Der Aufbau ist das ganze Jahr über bei jedem Wetter möglich.

Wer sich für solch ein innovatives Haus interessiert, muss mit vergleichsweise hohen Anschaffungskosten rechnen: Prof. Sobek kalkuliert mit Baukosten von etwa 3.000 Euro pro Quadratmeter. Im Hinblick darauf, dass nach der Errichtung jedoch nie mehr Stromkosten gezahlt werden müssen, ist ein Aktivhaus eine lohnende Investition. Bei Vertragsschluss wird ein Fixpreis vereinbart, der die Grundausstattung der Küchen und Sanitärräume einschließt. Der Preis beinhaltet nicht die Kosten für die Erschließung, das Fundament, den Aufbau mithilfe eines Autokrans, die Außenanlagen sowie die Energieerzeugung. Diese Kosten werden bei den Vertragsbesprechungen jedoch genau ermittelt und verbindlich vereinbart. Kunden sind so vor bösen Überraschungen sicher.

Sobald die Montage des Aktivhauses abgeschlossen ist, kann das Haus bezogen und von seinen Bewohnern eingerichtet werden.

Haltbarkeit, Energieeffizienz, Beheizung… - Was man sonst noch über das Aktivhaus wissen sollte

Der Hersteller geht von einer Haltbarkeit seiner Häuser aus, die der von Massivhäusern entspricht: 100 Jahre. Die Gewährleistungsfrist entspricht der im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) festgelegten, nämlich fünf Jahre auf das Bauwerk und zwei Jahre auf die eingebauten Elektrogeräte.

Für den Anschluss von Frisch- und Abwasser, Strom, Kommunikation, Wärme und Kälte ist nur ein Übergabepunkt nötig. Dieser wird vom Unternehmen als Medienübergabepunkt bezeichnet und wurde dort eigens für das Aktivhaus entwickelt. Er wird während der Herstellung werksseitig installiert.

Das neuartige Gründungs- und Anschlusskonzept ermöglicht eine sehr flexible Nutzung der Gebäudemodule: Sie können sowohl schnell an unterschiedliche Nutzungsarten angepasst als auch problemlos demontiert und an einer anderen Stelle wieder aufgebaut werden.

Das Aktivhaus-Konzept wird ständig weiterentwickelt, die nächsten Modul-Serien befinden sich in der Planung.

 

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