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4 Minuten Lesezeit (817 Worte)

Wärmebrücken: was dahinter steckt und wie sie sich auswirken

Wärmebrücken – die fälschlicherweise auch oft als Kältebrücken bezeichnet werden – sind diejenigen Bereiche innerhalb der thermischen Gebäudehülle, die aufgrund der Bauteilgeometrie, wegen eines Materialwechsels in derselben Bauteilebene oder aufgrund von konstruktiven Erfordernissen während der Heizperiode erhöhte Abflüsse von Heizwärme aufweisen.
Diesen Effekt bezeichnet man auch als Transmissionswärmeverlust. Hierdurch erhöht sich der Heizenergieverbrauch. In den kalten Wintermonaten kühlen Oberflächen dann so stark aus, dass sich auf ihnen Tauwasser niederschlägt. Auf den feuchten Bauteilen setzen sich Staubpartikel ab, die dann zusammen mit Tapeten, Kleister und Wandfarbe eine ideale Grundlage für die Bildung von Schimmelpilz sind. Von diesem Schimmelpilz geht eine Gesundheitsgefahr für die Hausbewohner aus.

Wärmebrücken beeinträchtigen außerdem die Behaglichkeit innerhalb der Räume und sorgen auch dafür, dass bei einer dauerhaften Durchfeuchtung der Bauteile die Bausubstanz geschädigt wird. Solch eine Schädigung wird dann in mürbem Holz oder marodem Mauerwerk sichtbar.

Doch Wärmebrücken lassen sich auch nachweisen, bevor es durch sie zu Schädigungen kommt. Mithilfe einer sog. Thermografiekamera kann anhand der Farbgebung der einzelnen Bauteile auf der Aufnahme sehr gut erkannt werden, an welchen Stellen eines Hauses sehr viel Heizenergie ungewollt nach außen entweicht.

Das sind die häufigsten Arten von Wärmebrücken

In den meisten Fällen verlaufen Wärmebrücken linienförmig. Die Ursache ihrer Entstehung liegt in der Geometrie eines Gebäudes, in dessen Konstruktion oder den Baustoffeigenschaften. Üblicherweise wird in diese Wärmebrückenarten unterschieden:

  • Bei materialbedingten Wärmebrücken spielt der Wechsel der Wärmeleitfähigkeit, der innerhalb einer oder auch mehrerer Bauteilschichten auftritt, die entscheidende Rolle. Hier kommen beispielsweise Mörtelfugen im Mauerwerk oder Ringanker, Stahlbetonstützen sowie Fensterstürze im Mauerwerk in Betracht.

  • Geometriebedingte Wärmebrücken treten dort auf, wo sich die Größe der Außenoberfläche, die Wärme abgibt, von der Größe der Innenoberfläche, die Wärme aufnimmt, unterscheidet. Dies wird am häufigsten bei Gebäudeecken, aber auch -kanten beobachtet. Ein sehr bekanntes Beispiel für eine Wärmebrücke, die sowohl material- als auch geometriebedingte Ursachen hat, sind Balkonplatten, die das Mauerwerk und evtl. auch die Dämmung durchstoßen.

  • Die konstruktiven Wärmebrücken sind den materialbedingten sehr ähnlich. Sie entstehen oft aus planerischen Zwängen heraus oder weil eine bauliche Notwendigkeit besteht. Typisch hierfür sind Rollläden oder Regenfallrohre, die sich innerhalb eines Wärmedämmverbundsystems (WDVS) befinden.

Unterscheidung nach der Form

Fachleute unterteilen Wärmebrücken auch nach der Form ihres Auftretens. Zu den punktuellen Wärmebrücken gehören z. B. Befestigungsdübel von WDVS oder Stützen, die die Dämmschicht durchstoßen. Bei ihnen muss ein besonderes Augenmerk darauf gerichtet werden, dass es nicht zu Schäden aufgrund eines Tauwasserausfalls kommt.

Konvektive Wärmebrücken entstehen dann, wenn es zu Undichtigkeiten in raumabschließenden Bauteilen gekommen ist. Dabei kann es sich um Durchführungsöffnungen für Installationsleitungen oder auch Bauteilfugen handeln. In der Regel sind konvektive Wärmebrücken auf eine mangelhafte Bauausführung zurückzuführen, weil z. B. Anschlüsse zwischen den Außenwänden und den Fenstern und Außentüren fehlerhaft ausgeführt worden sind. In diesen Fällen wird die Wärmeenergie durch die Strömungsbewegungen von Luft, Flüssigkeiten oder Gasen aus der Wärme in die Kälte transportiert.

In Raumecken treten häufig konvektive Wärmebrücken auf und bilden ein dreidimensionales Temperaturfeld aus. Das Risiko, dass Tauwasser und später Schimmel entstehen, ist hierbei sehr groß, da die inneren Oberflächentemperaturen in solchen Ecken niedriger sind als bei zweidimensionalen Kanten.

Mangelhafte Ausführung führt zu Wärmebrücken

Nicht nur Undichtigkeiten in Bauteilen, sondern auch handwerkliche Fehler können zu Wärmebrücken führen. Am häufigsten sind dabei nicht vorhandene oder unvollständige Gefachdämmungen, Lücken zwischen Dämmstoffplatten bei einem WDVS, zu große Aussparungen im Dämmmaterial bei punktuellen Durchdringungen oder Kellerdeckenbeleuchtungen sowie Mörtelreste, die sich im nachträglich gedämmten Hohlraum einer zweischaligen Außenmauer befinden.

Da sich Wärmebrücken ungünstig auf die Energiebilanz auswirken, werden in der Energieeinsparverordnung (EnEV) Vorgaben gemacht, um sie zu vermeiden. Danach müssen Gebäude so errichtet werden, dass der Einfluss der durch die Konstruktion entstehenden Wärmebrücken möglichst gering ist. Da der EnEV-Nachweis insbesondere linear verlaufende Wärmebrücken berücksichtigt, müssen bereits bei der Planung nicht nur die Gebäudekanten, sondern auch Balkonplatten, Decken- und Wandeinbindungen, Deckenauflagen sowie umlaufende Türen- und Fensterlaibungen im Fokus stehen. Die EnEV bezieht die Wirkung von Wärmebrücken auf den Jahres-Heizwärmebedarf ein, was ihnen auch aus formalen und rechtlichen Gründen eine große Bedeutung verleiht: Ein Verstoß gegen die dort gemachten Vorgaben kann gem. § 27 EnEV ein Bußgeld nach sich ziehen. Sofern die geforderten Werte nicht eingehalten werden, wird auch die Vergabe von staatlichen Förderungen ein Problem.

Konstruktionsempfehlungen zur Vermeidung von Wärmebrücken

Grundsätzlich gilt: Es muss so weit wie möglich vermieden werden, die wärmedämmende Gebäudehülle zu unterbrechen oder zu schwächen. Um das zu erreichen, sollte auf eine eher einfache Gebäudeform Wert gelegt und darauf geachtet werden, das Durchdringen der Außenmauern z. B. für die Montage von Vordächern oder Balkonen zu vermeiden. Es muss außerdem darauf geachtet werden, dass Dämmplatten lückenlos auch dann an den Stoßstellen aneinander liegen, wenn sie zu verschiedenen Bauteilen gehören.

Das sind keine Kleinigkeiten: Fachleute weisen darauf hin, dass gerade bei hocheffizient gedämmtem Gebäuden der Transmissionswärmeverlust bis zu 40 % betragen kann, sofern solche Details nicht ausreichend beachtet werden.

Eine Bauausführung nach DIN 4108 wird Wärmebrücken immer vermeiden helfen. Zu dieser DIN gibt es ein Beiblatt, welches Planungs- und Ausführungsbeispiele ausschließlich unter dem Aspekt des Wärmeschutzes darstellt: https://www.baunormenlexikon.de

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