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Legionellen – gefährliche Keime aus der Dusche

Gerade in den Sommermonaten liest man in den Medien recht häufig von einem raschen Anstieg der Erkrankungen, die durch Legionellen verursacht werden. Sehr oft sind in vielen Städten und Regionen gleich komplette Gemeinden, Ortsteile oder Straßenzüge von den Warnungen betroffen. Hier treten gehäuft Lungenentzündungen auf, die durch die gefährlichen Legionellen verursacht werden. Die Legionellen-Bakterien plätschern zusammen mit dem Wasser aus dem Duschkopf, sodass diese vom Duschenden über den dort entstehenden Sprühnebel in der Duschkabine eingeatmet werden können. In einem bekannt gewordenen Fall war auch der Wasserdampf aus einer Kühlanlage für die Übertragung des Erregers über die Luft verantwortlich.

Senioren und zahlreiche andere Risikogruppen sind besonders gefährdet

LegionellenGrundsätzlich sind Legionellen eigentlich relativ harmlos. Es handelt sich hierbei um stabförmige Bakterien, die sehr gern im Süßwasser leben und auch weltweit in den Böden zu finden sind. Hier gelangen sie sehr häufig ins Grundwasser und auf diese Weise auch gleichzeitig ins Trinkwasser. In der Regel sind sie hier aber eher ungefährlich.

Wie bereits erwähnt, führt nur das Einatmen der Bakterien zu einer ernst zu nehmenden Erkrankung. Betroffene bekommen innerhalb kürzester Zeit (meist nach 2 bis 8 Tagen) das sogenannte Pontiac-Fieber, das zunächst grippeähnliche Symptome verursacht oder sich zu einer gefährlichen Lungenentzündung entwickeln kann.

Pro Jahr erkranken in Deutschland durchschnittlich rund 10.000 Menschen an der Legionärskrankheit. Die Dunkelziffer liegt allerdings nach Schätzungen wesentlich höher. Besonders gefährdet sind Senioren, Krebspatienten, Diabetiker, Säuglinge und Kinder, aber auch Raucher oder Patienten, deren Atemwege und Blutsysteme in irgendeiner Form bereits beeinträchtigt sind. Klarheit über die Erkrankung verschafft in der Regel ein Röntgenbild, das die Lungenentzündung auf diese Weise bestätigt. Der endgültige Nachweis über die Legionärskrankheit wird durch einen Test auf Antikörper im Urin oder im Speichel erbracht. Aber auch ein Gen-Nachweis oder eine Anzucht der Bakterien in einem Labor kann einen Verdacht letztendlich bestätigen.

Werden im Körper Legionellen nachgewiesen, dann werden dem Patienten normalerweise herkömmliche Antibiotika verordnet, die mindestens über einen Zeitraum von einer Woche zuverlässig eingenommen werden müssen. Teilweise ist, je nach Zustand, auch ein stationärer Krankenhausaufenthalt erforderlich. Man sollte allerdings auch nicht verschweigen, dass jeder vierte Patient an den Folgen der Legionellen-Erkrankung verstirbt.

 

Rohrleitungen dienen als idealer Nährboden für die Legionellen

Die Legionellen vermehren sich besonders gut bei einer Temperatur zwischen 25° C und 45° C und bevorzugt dort, wo das Leitungssystem stark verzweigt ist und viele Anschlüsse das Warmwasserversorgungsnetz in Anspruch nehmen. Die Bakterien verbreiten sich auch sehr gut in Leitungen, die nie oder nur sehr selten benutzt werden. Oft bildet sich im Inneren der Rohre ein Biofilm, der sich aus den unterschiedlichsten Mikroorganismen zusammensetzt. Wird dieser Belag nicht regelmäßig von heißem Wasser weggespült, nimmt die Vermehrung der Bakterien recht zügig ihren Lauf.

 

Änderungen in der Trinkwasserverordnung

Schon im Jahr 2003 wurde in der Trinkwasserverordnung festgelegt, dass der Gehalt von Legionellen regelmäßig überprüft werden muss. Das ist besonders in den Leitungssystemen erforderlich, die von vielen gefährdeten Menschen genutzt werden, wie z. B. in Krankenhäusern, Schulen oder Altenheimen. Inzwischen wurde diese Verordnung auch auf Wohnhäuser ausgeweitet. Seit 2011 müssen Vermieter nun alle drei Jahre den Legionellengehalt des Leitungswassers testen lassen. Für diesen Test ist eine Wasserprobe aus dem am weitesten vom Wassertank entfernten Wasserhahn zu entnehmen. Ergibt der Test hierbei mehr als 100 Legionellen auf 100 ml Wasser, muss der jeweilige Vermieter sofort handeln und nach dem Grund des hohen Wertes forschen. Steigt der Wert auf über 10.000 Legionellen auf 100 ml, muss sofort ein Duschverbot verhängt werden – dieses bleibt so lang bestehen, bis die Ursache gefunden und behoben wurde. Kümmert sich der Vermieter nicht um diese Belange, wird in der Regel das Gesundheitsamt eingeschaltet. Die Regelung gilt derzeit im Übrigen noch nicht für Ein- oder Zweifamilienhäuser, da man hier noch von keiner allzu großen Gefährdung ausgeht. Muss die Legionellenzahl nach einer Testung gesenkt werden, dann genügt es meist schon, wenn die Temperatur am jeweiligen Warmwasserspeicher erhöht wird (Erhitzung auf 90° C) und die Leitungen über einen längeren Zeitraum heiß durchgespült werden. Alternativ kann auch mit Chlor desinfiziert werden. Will man weitere Probleme verhindern und sich vor einer neuerlichen Legionellen-Ansammlung schützen, sollte die Wassertemperatur an der jeweiligen Wasserentnahmestelle (Wasserhahn oder Duschkopf) 60° C nicht mehr unterschreiten.

 

Regelmäßig die Installationen und Rohrleitungen überprüfen

Es gibt im Handel mittlerweile spezielle Filter, die man an den Wasserhahn schrauben kann. Diese sind in der Anschaffung aber im Moment noch teuer und werden meist nur in Krankenhäusern, Hotels oder in anderen großen Einrichtungen verwendet. Sollten die Probleme mit einer erhöhten Bakterienansammlung in den betroffenen Wohngebäuden regelmäßig auftreten oder sonstige Maßnahmen nicht dauerhaft wirksam sein, dann müssen im Zweifel alle Rohrleitungen entsprechend isoliert oder im schlimmsten Fall komplett ausgetauscht werden. Damit es erst gar nicht so weit kommt, sollten Haus- und Immobilienbesitzer folgende Tipps befolgen:

Tipps gegen die Ansammlung von Legionellen in den vorhandenen Leitungssystemen

  • Die Temperatur des Warmwassers sollte konstant auf mindestens 60° C eingestellt werden. Zwar steigen hierdurch zwangsläufig die Energiekosten, aber das sollte zugunsten einer Vorbeugung in Kauf genommen werden.
  • Öffnet man eine Leitung, die wenig genutzt wird und weiß nicht, ob der Sprühnebel ggf. schon schädlich sein kann, dann sollte man,  solange das Wasser läuft, den Raum verlassen und einige Minuten warten. Meist reicht es, wenn das heiße Wasser zwischen 5 und 10 Minuten abläuft. Die Legionellen werden sich nach einer kurzen Zeit verflüchtigen, und es kann zu keiner gefährlichen Erkrankung mehr kommen.
  • Man sollte die vorhandenen Wasserleitungen oft und regelmäßig benutzen. Wird das Wasser nach dem Aufdrehen des Wasserhahns sehr schnell heiß, dann kann man davon ausgehen, dass die Leitung sehr häufig genutzt wird. Die Chance, dass Legionellen hier überleben können, ist dann sehr gering.

 


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