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Bestehende Gebäude energetisch sanieren? Mit Energiesprong klappt’s

Eigentümer älterer Häuser, die sich grundsätzlich für eine energetische Sanierung interessieren, schreckten oft nach einer einfachen Kosten-Nutzen-Kalkulation vor dieser Maßnahme zurück: Wenn sich eine Fassadendämmung trotz staatlicher Förderung erst nach 20 oder 30 Jahren amortisiert, ist das wirtschaftlich nicht attraktiv. Energetische Sanierungen basieren überwiegend auf handwerklicher Arbeit direkt auf der Baustelle und sind darüber hinaus so komplex, dass den Auftraggebern zu Beginn der Arbeiten oft keine gesicherte Aussage über die Höhe der Kosten gemacht werden kann. Deshalb sehen viele Eigentümer von selbst genutzten oder vermieteten Wohnhäusern von einer Sanierung ab. Das ist nicht im Sinne der Klimaziele, die sich die Bundesregierung gesetzt hat und die nur zu erreichen sind, wenn auch Bestandsgebäude über einen hohen energetischen Standard verfügen. Doch mit einer neuen Sanierungsmethode, die in den Niederlanden entwickelt wurde, kann sich die Situation grundlegend ändern.

Kostengünstig, schnell umgesetzt und klimaneutral – das sind die wesentlichen Merkmale von Energiesprong

Wohnraum muss, insbesondere wenn er vermietet wird, vor allem bezahlbar sein. Angesichts der steigenden Immobilienpreise trifft das jedoch auf einen immer kleineren Anteil der Mietobjekte zu. Wenn dann ein älteres Gebäude aufwendig energetisch auf den neuesten Stand gebracht wird und die Sanierungskosten auf die Mieten umgelegt werden, ist es für viele Mieter vorbei mit dem Wunsch nach einem bezahlbaren Zuhause.
Diejenigen, die in einem Mehrparteienhaus leben, das energetisch modernisiert wird, leiden allerdings auch unter den Belastungen, die die Bauarbeiten mit sich bringen: Oft ist das Gebäude monatelang eingerüstet, die Fassade ist mit Planen verhängt und die Bauarbeiten verursachen Lärm und Staub.

Das Sanierungsverfahren Energiesprong ist da gewissermaßen die eierlegende Wollmilchsau: Die Kosten werden deutlich reduziert, die Bauarbeiten vor Ort stark minimiert und die sanierten Häuser entsprechen dem Standard eines Nullenergiehauses. Das wird durch eine völlig andere als bislang praktizierte Vorgehensweise möglich: Das Sanierungsobjekt wird zunächst mit einem 3D-Laserscanner vermessen, parallel werden 360°-Aufnahmen am Boden gemacht. Auf der Grundlage der so gewonnenen Daten, die eine geringe Abweichung von nur wenigen Millimetern haben, wird dann eine 3D-Planung erstellt, die anschließend in die Fertigungsplanung übergeht. In der Fabrik werden dann passgenau Dächer, Fassaden und Energieeinheiten hergestellt. Das Fassadendesign kann nach Wunsch des Auftraggebers erstellt werden. Die Fassadenelemente enthalten bereits die neuen Fenster, die genau die Größe der alten haben.

Die in der Fabrik vormontierten Dächer und Fassaden werden passgenau über die alte Außenhülle gelegt und dort verankert. Die Montagearbeiten dauern bei einem Einfamilienhaus etwa zwei Stunden. Danach verbinden die Handwerker das Dach, die Fassade sowie die Energiezentrale außerhalb des Hauses mit den Strom-, Lüftungs- und Wasserleitungen. Die Energiezentrale besteht aus einer Wärmepumpe, die anstelle der alten Heizung installiert wird, einem Warmwasserspeicher, einer Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung und der Elektronik, die für die Photovoltaik und das Monitoring benötigt wird. Mit diesem Arbeitsschritt ist die Sanierung beendet. Die Vorfertigung in der Fabrik sorgt für eine kurze Sanierungsdauer, eine deutliche Qualitätssteigerung sowie geringe Kosten. Das energetische Konzept führt außerdem dazu, dass der Energieverbrauch von derzeit durchschnittlich 130 Kilowattstunden pro Jahr und Quadratmeter auf nur noch 30 bis 40 Kilowattstunden sinkt. Dabei gilt: Je mehr Sanierungen nach dem Energiesprong-Prinzip durchgeführt werden, umso geringer werden deren Kosten für die Kunden. Eine 30-jährige Garantiezeit soll auch die letzten Zweifler überzeugen.

Der Ausblick: Kann Energiesprong auch in Deutschland ein Erfolgsmodell werden?

Das Ziel einer jeden Energiesprong-Sanierung ist, dass sich die Sanierungskosten über die gesparten Energiekosten finanzieren lassen. In den Niederlanden klappt das schon: Analoge Stromzähler mit einem Zifferblatt laufen rückwärts, wenn die Stromausbeute aus der Photovoltaikanlage höher ist als der Verbrauch; digitale Stromzähler verfügen über Verbrauchs- und Einspeisungszählerstände, der Photovoltaik-Ertrag wird vom Verbrauch abgezogen. Am Jahresende stehen die Zählerstände der Energiesprong-Häuser dann auf null. So zu verfahren, ist in Deutschland allerdings rechtlich nicht möglich, außerdem würden auf diese Weise Wohnungsunternehmen, die Photovoltaikanlagen installiert haben und deshalb über ein „Gewerbesteuerprivileg“ verfügen, dieses verlieren.

Doch auch trotz der Unterschiede zu den Niederlanden hat diese neuartige Art der seriellen Sanierung auch in Deutschland Potenzial: Die vergleichsweise geringen Kosten und die schnelle Umsetzung haben auch hier bereits vor allem Wohnungsgesellschaften und Baugemeinschaften überzeugt. In Deutschland stehen etwa 500.000 kleinere Mehrfamilienhäuser, die zwischen den 1950-er und 1970-er Jahren errichtet wurden. Sie haben nur eine einfache Außenhülle und eignen sich ideal für eine serielle Sanierung, da sie mit schlichten und gleichförmigen Fassaden gebaut wurden. Da sich das serielle Sanieren noch in der Phase der Markteinführung befindet, wird der Fokus aus Gründen der Wirtschaftlichkeit in Deutschland derzeit noch auf Wohnhäuser mit einer Wohnfläche von wenigstens 800 m² und Energieverbräuchen von mehr als 130 Kilowattstunden pro Jahr und Quadratmeter gelegt. Um ein effektives Verhältnis zwischen der Dachfläche und der Nutzfläche zu haben, wird die Höhe der infrage kommenden Gebäude auf vier Etagen begrenzt.

Die Deutsche Energieagentur (dena) koordiniert Energiesprong-Sanierungen in Deutschland, worin sie vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie sowie dem GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen unterstützt wird. Die ersten Pilotprojekte werden zudem durch das EU-Programm Interreg NWE „Mustbe0“ gefördert.
Der Schwerpunkt liegt in Deutschland derzeit auf der Zusammenarbeit mit Wohnungsbauunternehmen, die mit der Bauwirtschaft einen sog. ‚Volume Deal‘ vereinbart haben: Darin bekräftigen beide Seiten ihre Absicht, in den nächsten Jahren 17.000 Wohneinheiten nach dem Energiesprong-Prinzip zu sanieren. Die ersten Pilotprojekte wurden oder werden u. a. in Hameln, Hannover, Bochum und Köln durchgeführt. In den Niederlanden wurden bislang 5.000 Häuser saniert.

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