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In Küche und Bad täglich in Gebrauch: Das sollte man über Armaturen wissen

Unter dem Begriff Armaturen versteht man in der Sanitärtechnik grundsätzlich alle Bauteile, mit deren Hilfe Stoffströme – hier: Wasser und Gas – verändert oder gesteuert werden. Von vielen Armaturen sieht man als Nutzer im Alltag nichts: Beispielsweise werden Absperrventile in privaten Haushalten eher selten bewegt. Das, was man ständig nutzt, bezeichnen Fachleute als Auslaufarmaturen. Laien sagen oft ‚Wasserhahn‘ dazu. Wasserhähne, wie es sie vor etlichen Jahrzehnten gab, trifft man heute nur noch in sehr alten Häusern an: Ihre Form war sehr schlicht, und aus vielen von ihnen floss nur kaltes Wasser. Wie sehr sich die Ansprüche der Verbraucher an die Armaturen geändert haben, zeigen die vielen Bezeichnungen, die dem geschulten Verkaufspersonal in den Fachgeschäften mühelos aus dem Mund perlen, bei den Kunden jedoch oft nur Ratlosigkeit auslösen. Hier soll dieser Artikel ansetzen.

So viele Begriffe, und am Ende kommt doch nur Wasser raus…

Noch bis in die 1960-er Jahre war es üblich, dass sich an den Waschtischen und Badewannen im Bad für einen Wasserhahn zwei drehbare Regler befanden: einer für die Steuerung des Zulaufs von kaltem und die andere für warmes Wasser. Da jedes dieser drei Teile für sich steht, spricht man von einer Dreiloch-Armatur. Wenn man eine bestimmte Wassertemperatur erreichen will, muss man so lange den Zufluss von kaltem und warmem Wasser regulieren, bis die Wunschtemperatur erreicht ist. Das kann einen Moment dauern, und während man mit der Hand fühlt, die Regler bedient und wieder fühlt, fließt reichlich Wasser ungenutzt in den Abfluss.

Da dieser Zustand nicht zufriedenstellend war, wurden später Einhebelmischer entwickelt, die im nächsten Schritt sogar über eine Temperaturskala verfügten, mit deren Hilfe die Wärme des Wassers einfach, schnell und problemlos eingestellt werden konnte. Wird der bewegliche Teil der Armatur aufwärts bewegt, verändert sich die austretende Wassermenge; mit einer waagerechten Drehbewegung wird die gewünschte Wassertemperatur eingestellt. Einhebelmischer werden sowohl in der Küche als auch im Bad für den Waschtisch, die Badewanne und die Dusche eingesetzt. Damit ist ein sparsamerer Umgang mit Wasser und Energie möglich. Sie werden alternativ auch als Einhandarmatur, Einhandmischer, Einhebelmischbatterie oder Einhandhebelmischer bezeichnet.

Die kompakte Variante der Dreilocharmatur ist die Einlocharmatur. An den Seiten des Wasserhahns befindet sich je ein drehbarer Regler; einer ist ausschließlich für die Zufuhr des kalten Wassers bestimmt, der andere für das warme Wasser. In dieser Ausführung spricht man auch von einer Zweigriffarmatur. Das Finden der gewünschten Wassertemperatur verläuft nach demselben Prinzip wie bei Dreilocharmaturen.
Die einfachsten Varianten von Einlocharmaturen verfügen über lediglich einen Drehknauf, mit dem der Zufluss von kaltem Wasser reguliert werden kann. Die Entnahme von Warmwasser ist bei ihnen nicht vorgesehen.

Das, was landläufig ‚Wasserhahn‘ genannt wird, heißt unter Fachleuten ‚Mischbatterie‘; sogar dann, wenn da gar nichts gemischt wird wie bei der einfachsten Version einer Einlocharmatur. Trifft man in öffentlichen Räumen wie z. B. Toiletten in Gaststätten auf Mischbatterien, werden diese oft kontaktlos bedient: Ein kleiner Bewegungssensor sorgt dafür, dass nur dann Wasser aus dem Wasserhahn kommt, wenn es gebraucht wird. Nicht ganz so komfortabel sind Modelle, die anstelle eines Drehknaufs per Tastendruck bedient werden: Der Druckknauf schiebt sich nach dem Betätigen langsam wieder nach oben in seine Ausgangsposition. Ist er dort angekommen, endet die Wasserzufuhr.

Manchmal tut sich nur mit genügend Druck etwas

Mischbatterien unterscheiden sich nicht nur in ihrem Design und der Handhabung. Bei der Auswahl muss auch berücksichtigt werden, woher das warme Wasser bezogen wird.

  • Durchlauferhitzer
    Wenn ein Durchlauferhitzer oder ein zentraler Heizkessel für die Versorgung mit Warmwasser eingesetzt werden, ist eine Hochdruckbatterie die richtige Wahl. In diesen Fällen sind immer eine Warm- und eine Kaltwasserleitung vorhanden. Hochdruckarmaturen halten einen Wasserdruck von bis zu 10 bar aus.

  • Niederdruckarmatur
    Eine Niederdruckarmatur wird benötigt, wenn es nur eine Kaltwasserleitung gibt und das warme Wasser mithilfe eines Warmwasserspeichers erzeugt wird. Dieser Speicher wird auch als Boiler oder Untertischgerät bezeichnet. Niederdruckarmaturen sind mit drei Anschlüssen ausgestattet: Einer dient dem Kontakt zur Kaltwasserleitung, der zweite Anschluss führt das kalte Wasser aus dem Wasserhahn zur Erwärmung in den Boiler, der dritte ist für die Zuleitung des warmen Wassers vom Boiler in den Wasserhahn vorgesehen. Niederdruckarmaturen lassen sich auch für den Laien vor dem Kauf einfach erkennen: In der Regel findet sich auf ihrer Verpackung ein roter Blitz.

Auf der Wand oder in der Wand?

Das kennt man auch von Steckdosen oder elektrischen Schaltern: Genau wie bei diesen sind auch bei den Bad- und Küchenarmaturen Aufputz- und Unterputz-Modelle erhältlich. Bei Unterputz-Armaturen (als Einhebelmischer oder Dreilocharmaturen) befindet sich das Grundset unsichtbar in der Mauer, nur die Bedienelemente und Abdeckplatten sind außerhalb der Wand. Aufputz-Armaturen sind vollständig auf der Wand vor dem Putz montiert.

Kartuschen und keramische Dichtungen

Eine Keramikscheibe, die auch als Dichtung dient, ist das wichtigste Bauteil eines Einhandmischers. Im oberen Bereich der Scheibe befinden sich in einem Winkel von 45° zueinander zwei Schlitze. Durch einen Schlitz fließt kaltes Wasser (meistens links), durch den anderen warmes Wasser. Wenn sich der Mischhebel in der mittleren Position befindet und nach oben bewegt wird, fließt warmes und kaltes Wasser zu gleichen Teilen aus dem Wasserhahn. Die Anteile von warmem und kaltem Wasser verändern sich, je mehr man den Mischhebel nach links bzw. rechts bewegt. Diese technische Vorrichtung wird auch Kartusche genannt.

Der Luftsprudler – für einen angenehmen Wasserstrahl

Luftsprudler werden auch unter den Bezeichnungen Strahlregler, Perlator oder Mischdüse angeboten. Sie befinden sich am Auslauf von Wasserhähnen und sorgen dafür, dass Luft unter das austretende Wasser gemischt wird. So macht die innenliegende elastische Silikonscheibe den Wasserstrahl weicher und gleichmäßiger und bremst dessen Austrittsgeschwindigkeit soweit ab, dass er nicht hart auf den Waschtisch die Spüle auftrifft oder plätschert. Die Herstellung und Funktion von Strahlreglern ist nach der Norm EN 246 vereinheitlicht. Dort werden insbesondere die Geräuschdämpfung und die Durchflussmenge geregelt. Die Düsen bestehen aus einem Mundstück, einer Dichtung sowie einem Innenteil, das entweder aus Metall oder Kunststoff gefertigt ist. Es gibt sie mit Innen- und Außengewinden.
Mittlerweile gibt es Luftsprudler auch für die Dusche: Sie sind in Duschköpfe eingebaut und sparen Wasser, ohne dass sich das Duschgefühl verändert.

Klassifizierungen von Bad- und Küchenarmaturen

Sogar Bad- und Küchenarmaturen werden in bestimmte Klassen einsortiert:

  • Durchflussklasse
    Dass es eine Durchflussklasse gibt, ist nicht besonders überraschend. Aus dieser Angabe geht die Durchflussmenge in Litern pro Minute hervor. Der sich daraus ergebende Fließdruck wird in Megapascal (MPa) ausgedrückt. Dabei entspricht 0,1 MPa einem Bar. Die sechs Prüfklassen (A bis D sowie S und Z) stehen für die Durchflussmenge und sind entsprechend auf den Verpackungen der Armaturen aufgedruckt.

  • Geräuschklassen
    Armaturen werden jedoch auch Geräuschklassen zugeordnet. In die Geräuschklasse I gehören Armaturen mit einem Wasserdruck von 0,3 MPa und einer Geräuschentwicklung von höchstens 20 Dezibel. Das entspricht etwa einem Flüstern oder dem Rauschen des Waldes. Da geht es bei den Armaturen der Geräuschklasse II etwas lauter zu: Ihr Geräuschpegel liegt zwischen 20 und 30 Dezibel, sie sind also etwa so laut wie ein leichter Wind. Sie dürfen nur in Einfamilienhäusern eingesetzt werden, in Mehrfamilienhäusern sind Armaturen der Geräuschklasse I zu verwenden.

Was sollte vor dem Kauf von Armaturen bedacht werden?

Hier entscheidet im Regelfall der Preis über die Güte des Produkts, und bei Armaturen aus dem Baumarkt gilt zu oft die Redewendung: „Billig gekauft ist zweimal gekauft.“ Wer sich langlebige und sichere Armaturen wünscht, achtet darauf, dass sie solide gearbeitet und ergonomisch designt sind: Rutschhemmende Griffmulden und gut handhabbare Bügelhebel vereinfachen die Bedienung und tragen dazu bei, Trinkwasser zu sparen. Die Armaturenkörper sollten aus vernickeltem Messingguss oder Edelstahl bestehen, da diese Materialien nicht rosten. Wer außerdem darauf achtet, dass die Armatur über keramische Dichtungen verfügt, erhält ein Produkt mit einer langen Lebensdauer. Für hohe Qualität stehen auch ein bereits integrierter Durchflussbegrenzer sowie eine sehr leichte und lautlose Bedienung. Bad- und Küchenarmaturen, die diesen Qualitätsstandards entsprechen, sind üblicherweise eher im Fachhandel als im Baumarkt zu finden und auch etwas teurer als dort.

 

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