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Wohnen mit guter Ökobilanz: Baustoffe wählen

Wer nachhaltig baut, hat eine günstige Ökobilanz im Kopf, achtet auf Baustoffe, deren Herkunft und Verarbeitungsprozesse. Was heißt das in der Praxis? Welche Baustoffe sind ökologisch besser aufgestellt als andere? Dieser Beitrag gibt einen Überblick mit Schwerpunkt CO2-Bilanz über wesentliche Bauteile eines Hauses.

Mit oder ohne Keller bauen – aus Ökosicht

Die beste Ökobilanz hat ein Bauwerk, das möglichst wenig Baustoffe verbraucht und die Baustoffe, die benutzt werden, sollten nachhaltig sein. Mit Blick auf den Keller bedeutet das schlicht, kein Keller ist der umweltfreundlichste Keller. In manchen Fällen muss zum Beispiel für den Bau des Kellers extra der Grundwasserspiegel abgesenkt werden, der zu verwendenden Beton hat eine spezielle Zusammensetzung, die in der Herstellung aufwendig ist und Energie kostet. Das sind zwei Punkte, die gegen einen Keller sprechen. Wer auf eine Vollunterkellerung verzichten kann, sollte das nicht nur aus Kostengründen tun, sondern auch vor dem Hintergrund der Nachhaltigkeit. Weniger ist mehr.

Die Gebäudehülle: Holz oder Stein

Grundsätzlich sollte man meinen, dass Holz mit Blick auf die Ökobilanz sinnvoller ist, als Stein. Doch der Schein trügt. Ein Holzhaus ist nicht immer die bessere Wahl im Vergleich zu einem Haus aus Stein. Es ist wichtig zu wissen, woher das Holz kommt, welchen Weg und welche Bearbeitungsverfahren es hinter sich hat, bevor es auf der heimischen Baustelle zum Einsatz kommt. Ökologisch sinnvoll ist es, Holz aus heimischen Wäldern zu nutzen, idealerweise aus Beständen direkt vor Ort. Wenn das nicht möglich ist, dann bietet sich die Nutzung von Holz aus der weiteren Umgebung an. Verbraucher sollten immer prüfen, ob das Material das FSC-Siegel hat. Es bescheinigt die Einhaltung hoher ökologischer und sozialer Standards. Auf der Webseite des FSC Deutschland ist zu lesen:
„Dazu muss jedes Unternehmen in der Produktkette, vom Wald bis zum Endkunden, ein innerbetriebliches Verfahren aufbauen, das sicherstellt, dass FSC-zertifizierte Materialien jederzeit identifizierbar bleiben. Hält das Unternehmen alle Regeln ein, wird ihm das FSC-Zertifikat verliehen.“

Fenster und Türen: Kunststoff oder Holz

Bei Fenstern spielt Holz hinsichtlich der Ökobilanz ebenfalls eine große Rolle, allerdings darf man nicht vergessen, dass Holz regelmäßig gepflegt werden muss. Die Pflegeprodukte werden industriell hergestellt und tragen zur Belastung der CO2-Bilanz bei.Kunststofffenster weisen in der Herstellung eine verhältnismäßig günstige Ökobilanz auf und sie sind in der Folge pflegeleicht, ist bei nachzulesen. Während Holzfenster etwa jedes zweite Jahr lasiert und alle 5 Jahre lackiert werden müssen, fällt dieser Faktor bei Kunststofffenstern komplett weg. Die Ökobilanz von Kunststofffenstern erfährt außerdem eine weitere Aufwertung durch die Recyclingfähigkeit und die sehr lange Lebensdauer.

Bei Türen sieht es ähnlich aus, wie bei den Fenstern. Zusätzlich dazu ist zu bedenken, dass Haustüren mit weiterer Sicherheitstechnik ausgestattet werden und von diesem Standpunkt aus betrachtet hinsichtlich der Ressourcenschonung schnell an Bedeutung verlieren. Das gilt im Prinzip für jedes Material. Wer auf Holztüren setzt, sollte auf das bereits erwähnte FSC-Zertifikat achten, wer Kunststofftüren oder eine Tür aus einem Materialmix wählt, dem bleibt nur die Option, sich die individuelle CO2-Bilanz vom Hersteller nachweisen zu lassen. Zur Info: Aluminium hat für die Gewinnung, Verarbeitung und den Einbau die schlechteste Ökobilanz wie der Landesbetrieb Forst BW in seiner Informationsbroschüre „Holz als Baumaterial und Energieträger“, feststellt.

Heiztechnik: Auf regenerative Energien setzen

Sehr schwierig und undurchsichtig ist die Wahl der richtigen Heiztechnik, denn es gibt so viele unterschiedliche Möglichkeiten, dass der Laie kaum noch durchblickt, was sich individuell am besten eignet. Das liegt daran, dass es ganz vom Haustyp und vom Nutzungsverhalten abhängt, welche Haustechnik aus Ökosicht die beste ist.

  1. Gute Dämmung senkt Heizkosten und Energieverbrauch
    Ist ein Haus gut gedämmt, ist der Energieverbrauch niedrig. Deshalb ist es wichtig, bereits beim Hausbau, bei der Modernisierung oder beim Umbau möglichst clever zu dämmen. Bei der Wahl der Dämmstoffe ist es mit Blick auf die Ökobilanz ratsam, auf natürliche Materialien wie Holz, Flachs, Kork, Schilf, Kokos, Hanf oder Schafwolle zu setzen.

  2. Geregelte Lüftungsanlage beeinflusst Energiebilanz
    Inzwischen sind Anlagen am Markt, die mit einer Wärmerückgewinnung gekoppelt sind. In gut gedämmten Neubauten ist das eine zukunftsträchtige Lösung. Der Mechanismus funktioniert so, dass die aufgewärmte Luft aus dem Inneren des Hauses die neu angesaugte Frischluft erwärmt. Der Clou: Eine ideal abgestimmte Lüftungsanlage ist in den kalten Monaten zum Nachheizen und im Sommer zum Kühlen geeignet. Der Gesetzgeber hat die technischen Anforderungen an Heiz- und Kühltechnik in der Energieeinsparverordnung (EnEV), zu finden unter http://www.enev-online.de/, festgeschrieben.

  3. Brennmittel beeinflusst Ökobilanz
    Der Betrieb einer Heizung mit Gas und Öl zieht einen hohen Ausstoß von klimaschädlichem CO2 nach sich. Alternativ bietet sich eine Holzheizung an. Aus technischer Sicht ist Heizen mit Holz CO2 neutral, denn während der Wachstumsphase hat das Holz CO2 eingelagert, was beim Verbrennvorgang wieder freigesetzt wird. Am effektivsten ist die Verwendung von Holz innerhalb von Pelletöfen, denn dort werden auch Abgase maximal ausgenutzt.

  4. Die Sonne als Heizung nutzen
    Sonnenenergie spendet nicht nur Raumwärme und lässt sich gut ins Wärmekonzept von Gebäuden mit großen Südfenstern einbeziehen. Aus Sonnenlicht lässt sich auch Energie gewinnen. Solarthermie-Anlagen heizen Warmwasser im Sommer und stellen Wärme im Frühjahr und Herbst bereit.

  5. Wärmepumpen sinnvoll, wenn Strom regenerativ erzeugt wurde
    Wärmepumpen sind nicht per se sinnvoll, aber falls in einem Haushalt über eine Fotovoltaikanlage selbst Strom erzeugt wird, lässt sich dieser Strom mittels einer Wärmepumpe in Heizenergie umwandeln. Das wirkt sich günstig auf die Ökobilanz aus.

 

Fazit: Was auf den ersten Blick ökologisch sinnvoll erscheint, muss es nicht unbedingt sein und auch Kunststoffe können im direkten Vergleich mit Holz eine bessere CO2-Bilanz aufweisen. Verbraucher sollten auf lange Sicht rechnen und mit Bedacht eine Entscheidung treffen. Im Zweifel helfen Architekten, die sich auf ökologische Bauten spezialisiert haben.

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