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Die aktuelle Entwicklung am Strommarkt

Der Börsenstrompreis am EPEX-Spotmarkt warf im vergangenen Jahr 2016 seine Schatten voraus. So waren in Deutschland und Österreich starke Anstiege zu verzeichnen. Dabei waren die höchsten Preissprünge im März, Juni und Oktober gegenüber dem jeweiligen Vormonat zu beobachten. Für den Endverbraucher lässt sich daraus keine wirklich erfreuliche Botschaft für dieses Jahr ableiten. Denn die Reaktion auf steigende Börsenhandelswerte folgte prompt. So erhöhten um die Jahreswende über 400 Grundversorger, rund die Hälfte aller Anbieter in Deutschland, ihre Strompreise um durchschnittlich 3,5 Prozent. Das ist aber noch nicht das Ende der Fahnenstange, Experten gehen davon aus, dass im Jahresverlauf noch weitere Steigerungen auf die Verbraucher zukommen.

Umdenken der Stromkunden hat eingesetzt

Dabei ist die Situation eigentlich günstig für Verbraucher, denn längst tobt unter den mehr als 1000 bundesweiten Stromanbietern ein erbitterter Preiskampf, denn jeder Kunde zählt aus Sicht der Konzerne. Doch was in anderen Branchen zu sinkenden Preisen für den Verbraucher führt, kann auf dem Strommarkt nur durch eines abgefedert werden: Vergleichen der Stromtarife und Wechsel des Anbieters – notfalls jedes Jahr. Eine weitere Möglichkeit ist schlicht das Ausnutzen des Webs, um aus der Masse an dort kursierenden Stromspartipps und -Tricks Profit ziehen. Auch bei diversen Onlinevergleichsportalen der Stromvergleich-Ratgeber lässt sich einschlägige Entscheidungshilfe einholen, welcher Tarif denn aus dem Tarifdschungel auch der jeweilig Beste ist.

Obwohl damit der Kunde mit der Arbeit weitgehend alleine steht, hat die Sache auch etwas Gutes: Sie lässt die Anbieter, die es zu stark übertreiben, schonungslos aus der Masse herausstechen. So hat etwa E.ON eine Erhöhung der Strompreise in Bayern um nahezu 14, und Vattenfall ab April in Berlin um fast 4 Prozent angekündigt.

Regionale Unterschiede

Neben den generellen Preiserhöhungen gehen Experten davon aus, dass sich auch die regionale Preisschere weiter öffnen wird, genauer gesagt die Strompreise im Vergleich zwischen Stadt und Land. Obwohl sich je nach Wohnort keine pauschale Aussage hinsichtlich des günstigsten Stromanbieters treffen lässt - die Tarife unterscheiden sich teils erheblich voneinander - ließen sich bislang doch Trends erkennen. Danach liegen die Strompreise in ländlichen Gebieten generell etwas höher als in den Städten. Obendrein herrscht ein Preisgefälle von Ost nach West und künftig wohl auch von Süd nach Nord. So bezahlen ostdeutsche Haushalte durchschnittlich mehr als im Westen, süddeutsche künftig mehr als im hohen Norden.

Die Unterschiede sind einerseits einer generell geringeren Anzahl an Energieversorgern in ländlichen Gegenden geschuldet. Andererseits hinkt der Netzausbau in den neuen Bundesländern denen der alten hinterher. Vor dem Hintergrund von Kostenoptimierungen bietet sich Versorgern hier weniger Potenzial, auf alternative Netze umzusteigen. Daher fallen die Netzentgelte dann entsprechend höher aus.

Letztlich müssen Bayern und Baden-Württemberg die Lücke angesichts des geordneten Ausstiegs aus der Atomkraft und bislang noch mangelhaftem Ausbau von Alternativen teuer bezahlen. Fehlende, genehmigungsproblematische Versorgungstrassen vom windreichen Norden in den Süden sind bislang Wunschtraum geblieben.

Höhere EEG-Umlagen und Steuern

Um diese Steigerungen einmal in Zahlen auszudrücken: Bei einem Verbrauch von 5000 Kilowattstunden betrug die Jahresstromrechnung eines Vierpersonenhaushaltes 2007 noch im Durchschnitt 992 Euro. 2014 waren schon 1422 Euro zu berappen. Die Gründe für diesen signifikanten Strompreisanstieg sind vielfältiger Natur. Dabei machen Steuern, Abgaben und die EEG-Umlage den Löwenanteil für den steigenden Strompreis aus. Umfragen unter anderem von der Deutschen Presseagentur gehen von einer weiteren Erhöhung dieser EEG-Faktoren aus, welche die Konzerne einpreisen und so an den Verbraucher delegieren werden.

Die Ursache für den steigenden Strompreis ist überwiegend den Erwartungen für 2017 geschuldet, nach denen sich die Umlagen und Steuern aus dem EEG weiter erhöhen werden. Experten gehen davon aus, dass die Kraftwerksbetreiber die höheren Margen an ihre Kundschaft in Form höherer Strompreise weitergeben werden. Schätzungen taxieren eine entsprechende Einpreisung auf knapp 29 Cent pro Kilowattstunde.

Interessanterweise weist die Strompreisentwicklung an der Börse eine gegenteilige Tendenz auf. Bedingt durch intensive Förderung und Einspeisung von Ökostrom in die Netze peilt der Preis die Dreicentmarke pro Kilowattstunde an. Aus Verbrauchersicht hat das fatale Auswirkungen: Die finanziellen Spielräume und Rahmenbedingungen für Finanzierungen in den weiteren Ausbau erneuerbarer Energien werden knapper. Für entstehende Finanzierungslücken muss sich dann der Verbraucher über höhere Strompreise stärker beteiligen. Wenig hilfreich erweist sich auch aus Endverbrauchersicht, dass Privatkunden überproportional für die höhere EEG-Umlage mitbezahlen müssen. Denn: Im Gegensatz zu Privatpersonen können beträchtliche Teile der Industrie nicht unerhebliche EEG-Rabatte geltend machen.

Zu erwarten sind laut Prognosen runde drei Prozent Strompreiserhöhung – eine Mehrbelastung eines durchschnittlichen Dreipersonenhaushalts zwischen 30 und 40 Euro jährlich.

Andere Prognosen beziffern die jährliche Mehrbelastung 2017 für einen durchschnittlichen Haushalt mit einem Verbrauch von 3.500 kWh auf 19 Euro. Dann kämen Haushalte dieser Größenordnung auf insgesamt rund 240 Euro an Ökostromumlage, mit einem EEG-Anteil an der gesamten Stromrechnung von knapp einem Viertel (23 Prozent).

Alledem nicht genug würde ein Negativtrend noch durch zu erwartende Großhandelspreise für Strom in 2017 befeuert werden.

Verteuerung überschätzt?

All dem halten Kritiker anhaltender Verteuerungsszenarien entgegen, dass die zugegebenermaßen im Steigen begriffenen Netzgebühren und Umlagen nahezu vollständig von sinkenden Beschaffungspreisen an der Strombörse aufgefangen werden. Auch steigender Konkurrenzdruck der Versorger trage zu der Kompensation bei, wie oftmals in der Vergangenheit zu beobachten war.

Während sich einige Vergleichsportale bei ihrer Beurteilung wesentlich nur auf Grundtarife bezögen, müssten in eine realistischere Bewertung flächendeckend alle Tarife im Durchschnitt miteinbezogen werden, so der Tenor.

Real sei der Strom für Verbraucher sogar derzeit billiger als vor drei Jahren, da seitdem die Strompreise nach anfänglich leichter Verteuerung danach überwiegend stagnierten. So stünde eine allgemeine Teuerungsrate von 2,1 Prozent einer Teuerungsrate beim Strom von 1,4 Prozent im Dreijahreszeitraum gegenüber.

Tatsächlich wies das Statistische Bundesamt auch nur einen moderaten Strompreisanstieg von im Schnitt runden 0,95 Prozent aus. Doch obgleich diese Stimmen ebenso schwer wiegen, zählt für die meisten Verbraucher nur das, was unter dem Strich auf der Rechnung steht und sie weniger auf dem Konto haben.

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